Schulsport steht in den Sternen

Noch herrscht Ungewissheit, wer Sport an Grundschulen unterrichten darf und wer nicht.
Noch herrscht Ungewissheit, wer Sport an Grundschulen unterrichten darf und wer nicht.
Foto: Walter Fischer
Was wir bereits wissen
Walter Seefluth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert den neuen Erlass, dass nur Sportlehrer das Fach an Grundschulen unterrichten dürfen

Rees..  „Wer demnächst Sport an den Grundschulen unterrichten soll, steht in den Sternen“, kritisiert Walter Seefluth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und spricht von einem „ministeriellen Hüftschuss“. Die Rede ist von einem Erlass vom 16. November vergangenen Jahres. Demnach dürfen Grundschullehrer den Sportunterricht nur noch dann erteilen, wenn sie „die fachlichen Voraussetzungen“ erfüllen. Das heißt: Eine staatliche Lehreraus- und Fortbildung oder eine Hochschulqualifikation in dem Fach Sport müssen erworben worden sein. Die Umsetzung des Erlasses hätte schon zum 1. Dezember 2014 greifen sollen.

Die Realität sieht anders aus. Grundschullehrer im Kreis Kleve geben vielfach fachfremd Sportunterricht – weil es eben nicht genügend ausgebildete Sportlehrer gibt. „Natürlich ist die Sicherheit der Kinder wichtig. Und ich denke, die Kolleginnen und Kollegen haben in der Vergangenheit verantwortungsvoll gehandelt. Sie haben die fehlende personelle Ausstattung ausgeglichen, um den Kindern Spaß und Freude in einem beliebten Fach zu ermöglichen“, erklärt Seefluth.

In der Lindenschule Haldern und Haffen-Mehr ist man irritiert. „Was ist denn nun erlaubt und was nicht? Und gibt es Übergangsfristen?“, sind die vorrangigsten Fragen, die sich die Halderner Grundschulleiterin Hannah Komnick stellt. Derzeit, so Komnick, arbeite Konrektorin Alexandra Peters den Erlass durch, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Denn in der Grundschule Haldern und der Dependance Mehr gibt es nur je eine Kollegin, die eine Sportlehrer-Ausbildung abgeschlossen hat.

„Reicht die Weiterbildung aus, die eine Kollegin und ich in Theorie und Praxis absolviert haben oder nicht?“ fragt sich die Schulleiterin. Sie hofft, dass es möglichst zeitnah zu einer Schulleiterdienstbesprechung kommt, um diese Fragen mit Schulrätin Birgit Pontzen zu besprechen.

Denn: Sollte die Weiterbildung nicht reichen, hätte Komnick ein Problem. „Die beiden ausgebildeten Sportlehrer sind jeweils Klassenlehrer einer vierten Klasse. Dort müsste ich sie dann mitten im Schuljahr abziehen, um künftig den Sportunterricht sicherzustellen“, macht Hannah Komnick das Problem deutlich.

Fatal wäre das auch für die Offenen Ganztagsgrundschulen. Denn auch hier soll der Erlass greifen, der Übungsleiterschein C nicht mehr ausreichen. „Wenn das tatsächlich so restriktiv gehandelt wird, dann wäre das schon bedauerlich“, sagt Heinz Lukkezen, Vorsitzender von Fortuna Millingen, die Träger der dortigen Offenen Ganztagsgrundschule ist. Dann wäre das Konzept des Klubs konterkariert, einerseits für mehr Bewegung bei den Schülern zu sorgen und gleichzeitig indirekt Nachwuchs-Problemen des Sportvereines entgegenzuwirken.

„Wir können doch nicht die Lehrer, die uns täglich für eine Dreiviertelstunde zur Verfügung stehen, dafür einsetzen“, sagt Lukkezen. Das widerspräche dem Konzept der Ganztagsgrundschule, die diese Schulstunde für Hausaufgabenbetreuung nutzen will.

Dazu Seefluth: „Wir werden auf eine Änderung der Rahmenbedingungen für den Sportunterricht an Grundschulen drängen und auf entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen während der Unterrichtszeit bestehen. Nur so kann dieses wieder einmal von der Ministerialbürokratie verursachte Dilemma kurzfristig behoben werden“, gibt sich Seefluth kämpferisch. Das wohl beliebteste Fach bei den Kindern müsse im erforderlichen Umfang bestehen bleiben.