Schubserei auf der Toilette endet im Krankenhaus

Emmerich..  Die im Willibrord-Spital gefertigten Bilder, die Richterin Dr. Christiane Schmitz den beiden Angeklagten im Amtsgerichtssaal 17 unter die Nase hielt, waren nicht fürs Kinderprogramm geeignet.

Ein Lette und ein Polen, jeweils 31 Jahre jung, sollen Anfang September 2014 einen Freund in einer Wohnung an der Blücherstraße im Streit und unter Alkoholeinfluss vermöbelt haben. Das schwer geschwollene Gesicht nebst Platzwunde unter der rechten Augenbraue deutete auf harte Schläge oder gar Fußtritte hin.

Dass die Angeklagten letztlich mit einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe davonkamen, lag am Aussage-gegen-Aussage-Fakt, was die vermeintlichen Fußtritte gegen den Kopf des Opfers anbetraf. „Es gab eine Schubserei, aber keine Fußtritte“, erklärten beide Angeklagten zunächst unisono.

Der einzige geladene Zeuge, ein 22-jähriger Lagerarbeiter, hatte genau dies noch einmal unterstrichen: „So hat es mir mein Onkel damals geschildert.“ Mit bei der Prügelei dabei war der Zeuge gleichwohl nicht.

„Eine große Schweinerei“

Die Ursache des September-Streits war kurios. „Er hat auf der Toilette eine große Schweinerei hinterlassen und wollte diese nicht wieder in Ordnung bringen“, erklärte der Lette, der in den Niederlanden auf einem Schlachthof arbeitet. „Ich habe ihm das mehrmals gesagt. Als er nicht saubermachen wollte, habe ich ihn aus der Wohnung geworfen.“

Mit Hilfe seines polnischen Kollegen und Mitangeklagten. So nahm die Rauferei zu dritt ihren Lauf.

„Solche Veilchen holt man sich nicht ab, wenn man in der Toilette stürzt“, erklärte Amtsrichterin Schmitz mit Blick auf die Verletzungsbilder, „reden Sie nicht drum herum!“ Die Dolmetscher für Polnisch und Russisch hatten nun eine Menge zu tun.

Immerhin wurden Schläge zugegeben. Und eingeräumt, dass man ordentlich getrunken hatte: drei Flaschen Wodka mit drei Personen. Was Richterin Schmitz in ihrem Urteil als „Enthemmung“, nicht aber als „schuldunfähig“ ansah. Die gemeinschaftliche Körperverletzung zog nicht nur die Bewährungsstrafe nach sich. Der wegen Trunkenheit im Straßenverkehr schon aufgefallene Lette zahlt zusätzlich 500 Euro in die Staatskasse, der Pole leistet mangels Arbeitseinkommen 50 Stunden sozialen Dienst ab.

Der im September angegriffene Pole hat nichts mehr von dem Urteil. Er erlag kürzlich einem Krebsleiden, wie sein verwandter Zeuge am Montag vor Gericht bestätigte.