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Schokoticket verdirbt den Appetit

03.02.2012 | 17:44 Uhr
Schokoticket verdirbt den Appetit
Foto: Roy Glisson / WAZ FotoPool

Vrasselt.   Vrasselter Familien kritisieren Rat und Verwaltung heftig. Das Zusatzangebot der neuen Fahrkarte nutze ihren Kindern nichts.

Seit dem 1. Februar können Emmericher Schüler mit ihrem Schokoticket (siehe Box) bis zum Centro nach Oberhausen, bis zur Eishalle Grefrath oder zum Pommes-Essen nach Nimwegen fahren. Prima! Oder doch nicht? Nachdem in vielen niederrheinischen Kommunen sich bereits Protest regte, springen jetzt auch Vrasselter Familien auf die Barrikaden. Es brodelte schon länger in ihnen.

„Stadt und Niag stellen es so dar, dass man das Ticket auch in der Freizeit nutzen kann. Aber die Anbindung hier in Vrasselt ist schlecht. Allein nach Bocholt wären unsere Kinder zwei Stunden im Bus unterwegs“, sagt Bettina Nitsche, deren Söhne Tim (14) und Lennart (11) das bittersüße Schokoticket nutzen. „Mein Sohn würde gerne seinen Freund in Hüthum besuchen. Allein dafür ist er eine Stunde und 20 Minuten mit dem Bus unterwegs, weil die Anbindung so schlecht ist“, ergänzt Silvia Heister-Tervoort, deren Söhne Luc (6) und Leon Tervoort (12) Schoko-Abonnenten sind. Und was Oberhausen und Co. angeht: „Die längeren Fahrten durchzuplanen. Da hab’ ich keinen Bock drauf“, bringt es Tim Nitsche auf den Punkt. Abgesehen davon, dass Eltern ihre Kinder nicht gerne allein so weit fahren lassen.

Maria Hußmann sieht überhaupt nicht ein, für den Schultransfer ihrer Kinder Fabian (14) und Lina Geerling (17) über 220 Euro zu zahlen. „Das war vorher kostenlos!“ Die Mutter sieht nicht ein, dass sie das ÖPNV-Netz mitfinanzieren soll. Sie lässt sich lieber die Wegstreckenentschädigung von 16 bzw. 13 Cent pro Kilometer (morgens/abends) auszahlen. Mehrere Eltern bilden Fahrgemeinschaften.

Für überfüllte Busse will keiner bezahlen

Große Vorwürfe erheben die Vrasselter gegen Rat und Verwaltung. Ohne eine größere öffentliche Diskussion habe Emmerich die Einführung des Schoko- als Ersatz für das bisherige Schulticket beschlossen. Andere Städte wie etwa Rees, Wesel oder Bocholt hätten sich um verträgliche Alternativen bemüht und sie auch bekommen. In Rees sogar auf Kosten des Stadtsäckels.

Und wenn die Eltern schon zur Kasse gebeten würden, sollte man meinen, dass es dafür ein hochwertiges Angebot gibt, argumentiert Eva Ketelaer, deren Söhne Luke (12) und Mattes (10) sich täglich in total überfüllte Busse quetschen. „Es ist kein Milchtransport, es geht um Kinder“, schimpft Ketelaer. Die Familien diskutieren bereits, ob sie sich zu einer Initiative zusammenschließen sollten. Vom Schokoticket wollen sie dauerhaft jedenfalls nicht naschen. Die Mütter haben etliche Briefe und Mails an die Stadt und die Niag geschickt. Auf Antworten, sagen sie, warten sie immer noch...

Marco Virgillito

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