Schmerzensgeld nach Thekenpalaver in Emmerich

Foto: WAZ
31-jähriger Marokkaner musste sich vor dem Emmericher Amtsgericht verantworten. Richterin und Staatsanwalt hatten Zweifel an Aussagen der Zeugen.

Emmerich..  Was nun wirklich am 15. September vergangenen Jahres geschehen ist, blieb auch bis zuletzt nebulös. Denn daran, was die Zeugen vor Gericht so aussagten, hatte Richterin Mareen Hölker sicher zurecht einige Zweifel. Fest steht: Es gab ein Opfer mit einer Platzwunde am Kopf, die mit sechs Stichen genäht werden musste. Verursacht wurde diese durch einen Aschenbecher, den der 31-jährige Angeklagte geworfen hatte. 1300 Euro Schmerzensgeld muss er daher nun an die 41-jährige Frau des Café-Besitzers zahlen, in dem er zuvor für Palaver an der Theke gesorgt hatte. 500 Euro legte der Angeklagte dem Opfer noch während der Verhandlung auf den Tisch. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Laut Anklage war der 31-jährige gegen Mitternacht in das Emmericher Café gekommen, um einen 100 Euro-Schein zu wechseln. Als ihm das verwehrt wurde, „sei er aggressiv geworden“, erklärte das Opfer, das zwar die Lebensgefährtin des Café-Inhabers ist, aber in jener Nacht nur als Gast da war. Die Emmericherin hatte sich in das Geldwechsel-Gespräch eingemischt. Mit ihr wolle er nicht reden, hatte der Angeklagte dann erklärt, wütend zwei Biergläser zerstört und diese auf sie geworfen. Dann hätten ihr Mann und andere versucht, ihn zu beruhigen und hinaus befördert. Hier sie es wieder zu einer Rangelei gekommen. In der sie dann ihrem Mann helfen wollte. Das Ende des Thekenpalavers sei gewesen, dass der Angeklagte ihr den Aschenbecher ins Gesicht geschlagen hätte.

Die Version des Angeklagten und eines Zeugen zum Vorfall unterschieden sich von dem des Café-Pärchens. Auch der Polizeibericht ließ die Richterin nur zu dem Schluss kommen, dass es sich bei dem Geschehen nur um eine fahrlässige Körperverletzung gehandelt haben könnte. Die Rangelei und hitzige Worte bezweifelte keiner im Gerichtssaal. Doch dass der Täter das Opfer bewusst mit dem Aschenbecher geschlagen haben soll schon.

Dennoch: Der 31-Jährige muss nun in den nächsten vier Monaten die restlichen 800 Euro an das Opfer zahlen.