Samstag feiert das Haus der Familie in Emmerich

Kirsten Lommen ist die Leiterin des Hauses der Familie. Im NRZ-Gespräch schildert sie, was sich im Laufe der Jahre verändert hat. Am Samstag wird der Jubiläum gebührend gefeiert.
Kirsten Lommen ist die Leiterin des Hauses der Familie. Im NRZ-Gespräch schildert sie, was sich im Laufe der Jahre verändert hat. Am Samstag wird der Jubiläum gebührend gefeiert.
Foto: Funke Foto Services
Die katholische Bildungseinrichtung wird 50 und will Funken schlagen. Gespräch mit Leiterin Kirsten Lommen.

Emmerich..  Kirsten Lommens Lieblingsbild hängt an keiner Wand. Nein, die Leiterin des Hauses der Familie kann sich einfach nicht daran satt sehen, alle Generationen in der katholischen Familienbildungsstätte begrüßen zu dürfen. „Wenn ich Rollator neben Kinderwagen neben Rollator neben Kinderwagen sehe, dann liebe ich einfach den Anblick“, umschreibt die 47-jährige studierte Sozialpädagogin ihre Idealbild. Seit November 2005 ist Lommen Chefin im Haus der Familie, das am Samstag offiziell 50. Geburtstag feiert.

Frau Lommen, ihr Jubiläumsmotto „Funken, Feuer, Flamme – hoffnungsvoll in die Zukunft“ klingt ganz schön forsch.

Ich würde eher sagen: fortschrittlich. Wir wollen uns mit unserem Angebot stets weiterentwickeln, Funken schlagen, anregen, helfen. Das haben wir in den vergangenen Jahren auch gemacht. Damit sind wir weit weg vom Ursprung der Mütterschule. Erziehungshilfen sind heute dazu anders als vor 20 Jahren. Es geht um viel mehr als nur gemeinsames Singen.

Um was mehr zum Beispiel?

Eltern wollen von uns profitieren, sich austauschen, mehr Qualität. Die Anspruchshaltung ist höher, die Menschen sind viel individueller als früher. Darauf muss man eingehen.

Was ist im Programm heute in, was ist out?

Also Töpfern ist komplett out. Es gibt alte Bilder von früher, da saßen zwölf Leute beim Kreativkurs im Kellergewölbe. Gebückt, weil die Decke so niedrig war. Wäre heute undenkbar.

Was mögen die Kursteilnehmer besonders gern?

Bewegungs- und Entspannungskurse, die Gesundheit. Yoga ist total in. Auch die Kurse mit Babys und jungen Kindern bleiben beliebt. Das Kochen ist ein Dauerbrenner. Wie früher.

Und das gute alte Nähen?

Geht in unserem Atelier auch gut. Statt Socken stopfen ist da aber eher kreatives Nähen eigener Kleidung gefragt.

Werden die Ehrenamtskurse denn angenommen?

Und wie! Viele im Alter ab 55 Jahren aufwärts wollen, wenn sie aus dem Beruf ausgeschieden sind, eine neue Aufgabe übernehmen. Wir geben Hilfe. Sei es bei der Demenzbetreuung oder als Seniorengesellschafter – beispielsweise.

Bei elf festangestellten Mitarbeitern, rund 150 professionellen Dozenten und einem 80-seitigen Kursprogramm pro Jahr spüren Sie als Leiterin sicher keine Langeweile. Geben Sie eigentlich auch noch selber Kurse?

Ja! Und das soll auch so sein. „Starke Eltern, starke Kinder“ und ein Kidix-Kurs mit ein- bis dreijährigen Kindern gebe ich zweimal die Woche selbst. So halte ich aktiv Kontakt zur Basis. Was mir auch sehr wichtig ist. Und meine Arbeit vielfältig hält.

Was war im Haus der Familie ihr bisher schönstes Erlebnis?

Kann ich aus dem Ärmel heraus nicht sagen. Eine tolle Bestätigung der Arbeit ist es immer, wenn Eltern etwas mit nach Hause nehmen.

Gedanklich?

Ja. Jemand ärgert sich, will aus der Haut fahren, fängt aber an zu lachen, weil sie oder er an meinen Kurs und an einen meiner Sprüche denkt in genau dieser Situation. Dann habe ich etwas bewirkt. Es gibt auch Rückmeldungen. Getreu dem Motto: „So habe ich die Sache noch nie betrachtet!“ Auch eine schöne Bestätigung des Kursangebotes.

Wie schaut Ihr Wunsch für die nächsten 50 Jahre Haus der Familie aus?

Dass unsere Arbeit weiter gewertschätzt bleibt. Und wir auch künftig vom Land und Bistum Münster unterstützt werden.

Am Samstag feiert das Haus der Familie offiziell den 50. Geburtstag. Los geht es um 16.30 Uhr mit einem Open-Air-Gottesdienst auf dem Aldegundiskirchplatz. Die kirchliche Band Horizonte aus Kevelaer wird für Musik sorgen.


Gegen 18 Uhr geht es dann mit einer offenen Haus-Party an der gewohnten Adresse, Neuer Steinweg 25, weiter. Und zwar nicht nur im Haus der Familie, sondern auch in einem eigens aufgebauten Festzelt. 200 bis 300 Gäste werden erwartet. Angemeldet hat sich dazu unter anderem die erste Kursleiterin vom September 1965, Christa Kroker.