Reeserin arbeitet in einer Klinik auf Sylt

Die Lebensbedingungen in Südafrika sind nicht vergleichbar mit Deutschland. Leonie Friedrich
Die Lebensbedingungen in Südafrika sind nicht vergleichbar mit Deutschland. Leonie Friedrich
Foto: NRZ Emmerich
Was wir bereits wissen
Leonie Friedrich absolivert ein freiwilliges soziales Jahr in einer Kinderklinik. Derzeit ist sie im pflegerischen Bereich tätig, am Monatsende wechselt sie in den pädagogischen Bereich.

Rees..  Der Aufenthalt auf Sylt hat Klarheit gebracht. „Ich will nicht ausschließlich für, sondern vor allem mit den Menschen arbeiten“, sagt Leonie Friedrich. Vor gut acht Monaten hat die 18-Jährige ein Freiwilliges soziales Jahr in einer Fachklinik auf Sylt aufgenommen, in der Kinder, die zum Beispiel an Neurodermitis leiden, behandelt werden. Ihr Job dort: Bei der Pflege der Mädchen und Jungen zu helfen, aber auch Botengänge für das Pflegepersonal zu erledigen.

Nach dem Abitur war die Reeserin unsicher, wie sie die beruflichen Weichen stellen sollte. Eine mögliche Option war das Studium der Psychologie. „Aber so ganz klar war ich mir damals nicht darüber, ob das wirklich das Richtige ist“, sagt sie rückblickend. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits in einen Job hineingeschnuppert im Rahmen eines Praktikums. In einer Kindertagesstätte hatte sie zwei Monate lang gearbeitet. Keine Kita in Deutschland, sondern in der südafrikanischen Metropole Kapstadt im Township Capricorn. „Eine besondere Erfahrung“, sagt sie heute. Nicht nur die Naturreservate und Strände haben sie beeindruckt, Spuren hinterlassen hat auch die ganz andere Lebensweise der Südafrikaner, die einfachen Bedingungen, mit denen die Menschen klar kommen müssen. „Wichtig war dort, den Müttern erst einmal beizubringen, wie wichtig die Zahnpflege für die Kinder und das Händewaschen nach dem Toilettengang ist“, erzählt sie.

Sie selbst war mit sechs weiteren Mädchen in einer Gastfamilie untergebracht. „Wegen der hohen Kriminalitätsrate waren die Fenster der Privathäuser vergittert, wir wurden angehalten, abends nach 18 Uhr nicht mehr auszugehen und nur zu zweit ein Taxi zu besteigen“, macht sie Beispiele. Trotz dieser Einschränkungen war ihr die Zeit dennoch wichtig. „Der Aufenthalt hat mich definitiv selbstständiger gemacht“, sagt sie. „Ich bin einfach weltoffener geworden“, fährt sie fort, „und auch emphatischer.“

Zu den südafrikanischen Kindern und ihren Müttern hat Leonie Friedrich ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Ihnen die Regeln zu erklären, das hat ihr Freude bereitet, wie es ihr heute gefällt, die Kinder in der Sylter Klinik nicht einfach einzucremen, sondern ihnen zu zeigen, wie sie es selbst machen können. „Es macht Freude, Menschen Anleitungen zu geben, wie sie ihren Alltag leichter bewerkstelligen können“, sagt die junge Frau. Daher steht nun auch fest, was sie studieren möchte: Ergotherapie. Den Studienplatz in Nijmegen hat sie so gut wie sicher. Doch zunächst einmal steht Ende Februar für sie ein Wechsel in der Klinik an: vom Pflege- in den pädagogischen Bereich.