Reeser Villa steht zum Verkauf

Helga und Heinz-Franz Kux wollen aus gesundheitlichen Gründen ihre Stadtvilla verkaufen. Viele antike Details haben sie bewahrt.Foto: Diana Roos
Helga und Heinz-Franz Kux wollen aus gesundheitlichen Gründen ihre Stadtvilla verkaufen. Viele antike Details haben sie bewahrt.Foto: Diana Roos
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Aus Altersgründen möchten Heinz-Franz und Helga Kux ihr Haus verkaufen. Vor 70 Jahren wurde das Gebäude zerstört

Rees..  Der erste Eindruck prägt und so hat die Stadt Rees der wunderschönen Villa aus der Gründerzeit viel zu verdanken. Denn sie zieht am Eingang zum historischen Stadtkern die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Dabei wurde die Arztvilla Vor dem Delltor 11 vor fast genau 70 Jahren beim Niedergang der Stadt derart zerstört, dass sie als baufällig erklärt wurde. Dass sie so prächtig wieder aufgebaut wurde, ist Hedwig Kux und ihren Söhnen zu verdanken, die nach dem Krieg das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückführten. Heute steht die Villa zum Verkauf. Aus Altersgründen.

In dem Haus hatte vor dem Krieg Zahnarzt Kux praktiziert. Die Familie lebte mit vier Kindern in der Villa, die damals schon als ausgesprochen repräsentativ galt. Doch der Krieg zerstörte nicht nur das Haus, Vater Kux kehrte aus dem Krieg nicht mehr zurück. Sohn Wolfgang erinnert sich noch gut an den Bombenangriff. „Eine Granate war in unser Esszimmer eingeschlagen. Unten im Labor entdeckten wir einen Blindgänger, den ich mit der Hand nach draußen getragen und in ein Bombenloch geworfen habe. Nicht auszudenken, wenn er hochgegangen wäre.“ Gemeinsam mit seiner Mutter ging es an den Wiederaufbau. Alte Steine wurden abgepickt, Mauern neu gesetzt, treue Patienten halfen bei der Arbeit. „Wir haben mit Mutter und den drei Geschwistern zuerst im Keller gewohnt“, erinnert sich Wolfgang Kux. Da er und sein Bruder Heinz-Franz Kux, Jahrgang 1930, das Zahnmedizin-Studium noch nicht abgeschlossen hatten, stellte die Mutter Vertretungsärzte ein, bis Heinz-Franz die Praxis übernahm, Wolfgang sich in Wesel niederließ.

Bis in die 80er-Jahre praktizierte Heinz-Franz Kux in der Villa. Viele Patienten werden sich noch an den wunderschönen Eingangsbereich mit dem alten Fliesenboden und der prächtigen Vogeltapete erinnern, die auch nach mehr als 40 Jahren nicht an Ausstrahlung verloren hat. Hier im Endgeschoss wohnte Mutter Hedwig Kux, in ihrem Wohnzimmer sticht eine Bemalung (siehe Bild unten links) heraus, vor der vielleicht einmal ein Holzofen gestanden haben mag. Überall sind die Decken drei bis vier Meter hoch, Heinz-Franz und seine Frau Helga haben es verstanden, den Stil des Hauses in ihrer Möblierung aufzugreifen, insbesondere der gigantische Kronleuchter aus Murano, die Stuckelemente und erlesene Tapeten verleihen dem Wohnbereich ein herrschaftliches Ambiente. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man Interessenten dieses Haus zeigt“, erzählt Matthias Janßen von Voba Immobilien, die für dieses historische Objekte einen Käufer suchen.

Das Ehepaar Kux weiß, dass sich das Haus nicht barrierefrei umbauen lässt. Die steilen Treppen lassen auf Dauer kein altersgerechtes Wohnen zu. Nach Aufgabe der Praxis wurde das Erdgeschoss so ausgebaut, dass die Kinder und sieben Enkelkinder, wenn sie zu Besuch kommen, ihr eigenes Reich haben.

Die Fassade steht unter Denkmalschutz. Nur noch das Piushaus in der Kapitelstraße und die Stadtbücherei am Markt, sowie ein Haus an der Florastraße stammen in Rees aus dieser Zeit. „Das Gebäude besticht durch einen ganz besonderen Charme und ist ein Liebhaberobjekt in 1a-Lage“, wirbt Matthias Janßen. „Es könnte heute noch für eine Arztpraxis oder Büroräume im Erdgeschoss genutzt werden.“ Auf jeden Fall sollte die Villa als Aushängeschild von Rees erhalten bleiben.

In der Denkmalliste ist das Haus beschrieben als eines der wenigen erhaltenen Bauten aus der Vorkriegszeit im bürgerlich anspruchsvollen Formenkanon der Gründerzeit.

Die Villa, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts, gehörte Fährmann Constantin „Köndje“ Raadts. Die Eltern von Heinz-Franz Kux erwarben es 1931.