Reeser veruntreute 27 000 Euro

Rees..  So etwas hört man wahrlich selten vor Gericht. Denn nach der Urteilsverkündung meldete sich der Angeklagte noch einmal zu Wort. „Vielen Dank für die nette Gerichtsverhandlung“, sagte der 73-Jährige in Richtung Richterin und Staatsanwalt. Lächelnd nahmen sie die Worte entgegen. Zumal der Reeser Sekunden zuvor zur Zahlung einer Geldstrafe von 2250 Euro verurteilt worden war.

Vor dem Emmericher Amtsgericht musste sich der Rentner wegen des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelten in 20 Fällen verantworten. Für ein gutes Dutzend Mitarbeiter hatte er über ein halbes Jahr lang keine Sozialversicherungsabgaben gezahlt. Ein Schaden von rund 27 000 Euro, so rechnete der Staatsanwalt vor, ist deshalb entstanden.

Insolvenzverwalter sagte aus

In der Verhandlung galt es aber nun zu klären, wer eigentlich dafür verantwortlich war, dass der Reeser Handwerksbetrieb – der mittlerweile insolvent ist – nicht gezahlt hatte. Denn dass es nicht zu den vorgeschriebenen Zahlungen an die Krankenkasse gekommen ist, wurde bereits an einem anderen Verhandlungstag erörtert und bestätigt. Laut Anklage soll der 73-Jährige als faktischer Geschäftsführer agiert haben. Einen Umstand, den er bis zum Schluss leugnete — und lieber das Ungemach auf seine Frau und auch auf seinen Sohn abwälzte. Sein Sohn war laut Akten als „Mitarbeiter“ im Betrieb geführt, die Frau tatsächlich als Geschäftsführerin des Betriebes eingetragen. Doch wie dann auch der Insolvenzverwalter als Zeuge vor Gericht aussagte: „Zu sagen hatte sie nichts. Das war nur zum Schein. Ansprechpartner im Verfahren war immer nur der Angeklagte.“ Zudem merkte er auch an, dass die Zusammenarbeit mit dem Angeklagten während der Eröffnung der Insolvenz mehr als schwer war. „Ich hatte noch nie ein Verfahren, dessen Eröffnung sich so lange hingezogen hat aufgrund einer mangelnden Kooperationsbereitschaft.“ Auch eine weitere Zeugin, die ein Jahr lang im Sekretariat des Betriebs gearbeitet hatte, schaffte es kaum, den Angeklagten zu entlasten. Er habe wichtige Dokumente unterschrieben, ebenso Mitarbeiter eingestellt und Schreiben aufsetzen lassen. Seine Frau sei nur ab und zu im Büro gewesen. Er und sein Sohn dagegen ständig. Letzterer war im Übrigen auch als Zeuge geladen – machte aber als Verwandter des Angeklagten von seinem Recht Gebrauch zu schweigen. Während er so seinen Vater schützte, versuchte dieser dem Gericht weiß zu machen, dass sein Sohn damals die Geschicke geleitet habe. Tatsächlich war der Angeklagte im Betrieb nur als „Aushilfe“ geführt.

Doch, da waren sich Staatsanwaltschaft und Richterin einig: Der Angeklagte hat als Geschäftsführer agiert. Ergo muss er nun auch die Zeche zahlen. Foto: Kurt Michels