Reeser lernen Deutsch als Zweitsprache

Hadiya (von links), Haroon und Mahdi Farhang mit Lehrer Norbert Minke und Mohamed Edrees Farhang.
Hadiya (von links), Haroon und Mahdi Farhang mit Lehrer Norbert Minke und Mohamed Edrees Farhang.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vier Schüler mit Zuwanderungsgeschichte lernen Deutsch als Zweitsprache am Gymnasium Aspel. Zwei wollen im kommenden Jahr in die Oberstufe wechseln

Rees..  Hadiya Farhang weiß genau, was sie will. „Ich möchte Ärztin werden“, sagt die 18-Jährige. Der Weg dahin ist noch weit, obwohl Hadiya eine sehr gute Schülerin ist. Aber: Die Deutschkenntnisse der Schülerin, die aus Afghanistan stammt und erst seit November in Rees lebt, sind folglich noch sehr lückenhaft. Derzeit besucht Hadiya die Jahrgangsstufe 9 des Gymnasiums Aspel. Ein Jahr hat sie Zeit, den Sprung in die gymnasiale Oberstufe zu schaffen. Bis dahin müssen ihre Deutschkenntnisse so gut sein, dass sie dem normalen Unterricht folgen kann. Gleiches gilt für ihren Bruder Haroon (16). Der ist zuversichtlich. „Ich glaube, wir machen das schon“, sagt er und grinst.

Das Fach Englisch macht den beiden keine Probleme, weil Hadiya und Haroon die Sprache gut beherrschen. Unproblematisch sind auch die Fächer Geschichte, Biologie und Politik, denn die Geschwister besuchen den bilingualen Zweig des Gymnasiums. Am Deutsch-Unterricht nehmen sie nicht teil. Stattdessen pauken die beiden Neuntklässler donnerstags und freitags jeweils eine Doppelstunde lang Deutsch. Von Deutsch als Zweitsprache, kurz DaZ, sprechen die Pädagogen.

Das Lehren vermisst

Der steht Schülern mit Zuwanderungsgeschichte zu. Geld dafür gibt’s aber nicht vom Land. „Das muss irgendwo abgeknapst werden“, sagt Schulleiter Klaus Hegel. „Ich bin schon froh, dass ich überhaupt einen Pädagogen gefunden habe, der den Unterricht übernimmt“, sagt er und blickt auf Norbert Minke. Minke ist eigentlich im Ruhestand, hat aber nach seiner Pensionierung das Lehren vermisst und freut sich jetzt über die Herausforderung. „Da ich neben Deutsch, evangelischer Religionslehre auch Niederländisch gegeben habe, weiß ich gottlob wie man eine Fremdsprache anpackt“, sagt er heute. Zunächst hatte er nämlich einige Bedenken, ob er das Angebot annehmen sollte.

Die haben sich inzwischen in Luft aufgelöst. „Es macht Spaß, ich habe es mit motivierten Schülern zu tun, zu den Großen habe ich ein fast freundschaftliches Verhältnis“, sagt er. Die Großen, das sind Hadiya und Haroon und deren Bruder Mohamed Edrees. Letzterer hat im Iran sein Abitur längst bestanden, lernt aber mit, um sein Deutsch fürs angestrebte Medizinstudium zu verbessern. Dann gibt es noch die „Kleineren“. Das sind Aryiris, der in Zypern aufgewachsen ist, und ein weiterer Bruder aus der Familie Farhang, der 13-jährige Mahdi. Sie werden separat unterrichtet.

Mündliche Prüfung in Düsseldorf

Hadiya und Haroon müssen bald eine Prüfung ablegen, die ihre bisherigen schulischen Leistungen einordnet. Die Prüfung steht in ihrer Muttersprache Farsi an und muss bei der Bezirksregierung Düsseldorf abgelegt werden. „Der Termin ist längst überfällig, hat sich aber verschoben, weil die Anzahl der Schüler mit Deutsch als Zweitsprache explosionsartig angewachsen ist“, sagt Hegel. Ihre ausreichenden Deutsch-Kenntnisse für die Oberstufe werden sie schulintern nachweisen müssen. Die Leistungen im Fach Deutsch ersetzen bei ihnen eine Fremdsprache, so Klaus Hegel.

Auch durch ihre Kontakte zu Mitschülern lernen die jungen Afghanen die für sie fremde Sprache. Beide – ihre Familie ist während des Krieges in Afghanistan in den Iran übergesiedelt, wo der Vater als Botschafter gearbeitet hat – haben schon Freundschaften geschlossen. Hadiya hat sich jüngst sehr gefreut, dass ihre Mitschülerinnen zu ihrem Geburtstag eine Überraschungs-Party ausgerichtet haben. Geschenke hat sie auch bekommen: eine Blume und ein Armband.