Radikalisierung erfolgt blitzartig

Rund 80 Zuhörer folgten dem Vortrag von Jan Jessen. Manche Informationen hatten schockierte Blicke im Saal zur Folge.
Rund 80 Zuhörer folgten dem Vortrag von Jan Jessen. Manche Informationen hatten schockierte Blicke im Saal zur Folge.
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Was wir bereits wissen
Der NRZ-Politikchef Jan Jessen. sprach auf Einladung des Landeskommandos NRW der Bundeswehr in Emmerich über Islamismus, Salafismus und den IS.

Emmerich..  Er ist oft vor Ort, kann sich in die Lage der Menschen etwa im Irak hineinversetzen und weiß, warum es heute so viele Krisengebiete und Flüchtlinge weltweit gibt. Jan Jessen, NRZ-Politikchef, machte am Freitag Station in Emmerich. Auf Einladung des Landeskommandos NRW der Bundeswehr schaute er im PAN auf Islamismus, Salafismus und den IS. „Es ist ein sicherheits- und gesellschaftspolitisches Thema“, unterstrich Joachim Sigmund, Organisator der Veranstaltung.

Dschihadisten vom Niederrhein

Warum im Westen, und insbesondere in Deutschland, die Lage sich so verschlimmert hat, wurde innerhalb des Vortrags mehr als einmal deutlich. „Der Islamismus unterscheidet sich in Gewalttätigkeit und Wahrhaftigkeit nicht wesentlich von den grausamen Verirrungen, die der christliche Glaube in früheren Jahrhunderten erfahren hat.“ Mit einem Unterschied: „Wir leben heute in einer globalisierten Welt, in der Informationen in Sekundenbruchteilen übermittelt werden können“, so Jessen. Auf die Frage von Jochen Laqua: „Wie kommt man da dran“, wusste der NRZ-Mann, dass Youtube, soziale Netzwerke oder Google dies möglich machten. Sozusagen eine Rekrutierung im Netz. „Eine Radikalisierung erfolgt somit blitzartig.“

Jessen verstand es den 80 Zuhörern die Opferseite mit ihrer schlimmen Realität von Frauen, deren Töchter weggenommen wurden, zu berichten. Ob Mädchen, die mit neun „heiratsfähig“ seien oder das Beispiel einer jungen Frau, die die Terroristen über 17 Tage immer wieder vergewaltigten und von einem zum nächsten Mann verkauften, sorgten für schockierte Blicke. „Es gibt viele junge Menschen in Deutschland, die diejenigen bewundern, die den Frauen dies antun.“ Nicht wenige der von Deutschland in den Dschihad gezogenen 650 Salafisten kämen vom Niederrhein. Und hätten sich wie etwa die einst fundamentalistische Gruppe „Einladung zum Paradiese“ um Hassprediger Pierre Vogel radikalisiert. Man müsse auf die meist jungen gesellschaftlichen Verlierer zugehen und mit ihnen reden. Eine Aussage Jessens, die auch Pater Zakarias so unterstützte.

Auf der anderen Seite gab es einen breiten Überblick zur Täterseite und die Bestrebungen zur Schaffung eines IS-Staates. Der Vorsitzende der Essener Caritas-Flüchtlingshilfe Jessen sprach vom entscheidenden Aufschwung der dschihadistischen Salafistenszene 2011 mit dem syrischen Bürgerkrieg. Das hundertfach in Videos dokumentierte Leiden der Bevölkerung und dass der Westen diesem Leiden einfach zusähe, erregten Mitleid und Wut vieler gerade junger Muslime, hieß es. Hinzu käme, dass viele der Anführer über Jahre hinweg inhaftiert und gefoltert wurden und sich hinter Gittern mit anderen verbündeten. Die Lage ist ernst. Abschließend sagte Jessen: „Es wird in Deutschland einen Anschlag geben, davon können wir uns nicht frei machen.“

Wer einmal in die Heimat, seinen Kreis Kleve, zurückkehrt, der soll sich täglich an diesen erinnern können. Damit das Jan Jessen leichter fällt, übergab ihm Joachim Sigmund eine Dankeswidmung des Traditionsvereins der ehemaligen Emmericher Pioniere. Die eignet sich als Mousepad oder Kaffeeuntersetzer für die NRZ-Titelredaktion in Essen.

Eine Spendensammlung der Pioniere brachte aufgerundet 130 Euro für die Caritas Flüchtlingshilfe ein.