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Prozess um Emmericher Bordell-Pärchen startet

05.11.2012 | 22:00 Uhr
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Prozess um Emmericher Bordell-Pärchen startet
Ende März wurden die Betreiber des Fungardens verhaftet. Am 13. November beginnt ihr Prozess.Foto: Johannes Kruck

Emmerich/Kleve.   Ab dem 13. November müssen sich ein Bosnier und eine Russin vor dem Landgericht Kleve wegen zahlreicher Strafdelikte verantworten. Jahrelang betrieben sie zwei Bordellbetriebe in Emmerich. An zehn Verhandlungstagen sind 45 Zeugen geladen.

Ihre Festnahme darf sicher als spektakulär gelten. Über 200 Beamten waren damals im Einsatz, um dem Emmericher Bordell-Pärchen das Handwerk zu legen. Mit Zoll, Bundespolizei und Steuerfahndung holte die Klever Staatsanwaltschaft Ende März zum großen Schlag aus und ließ die Handschellen klicken: Der Betreiber vom „Fungarden“ an der Tackenweide sowie seine Lebensgefährtin wurden mit viel Aufsehen festgenommen. Ebenso durchsuchten die Einsatzkräfte auch deren Bordell „Villa Auberge“ an der Reeser Straße. Seither sitzen der Bosnier (53) und die Russin (40) in Untersuchungshaft. Erst am Dienstag, 13. November, wird es wieder einen Tapetenwechsel für sie geben. Denn dann müssen sie sich vor dem Klever Landgericht in einem echten Mammutprozess verantworten.

Vorgeworfen werden den beiden Emmerichern, die seit Juli 2005 die zwei Bordelle in der Hansestadt betreiben, mehrere Fälle von Menschenhandel, Einschleusen von Ausländern, Steuerhinterziehung, Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt und Urkundenfälschung.

Polizei
Großrazzia im Bordell in Emmerich

Großrazzia im Fungarden an der Tackenweide in Emmerich. Der 53-jährige Betreiber eines Bordells und seine Lebensgefährtin wurden festgenommen. Es...

Laut Staatsanwaltschaft war der Angeklagte, teilweise mit einem weiteren Tatbeteiligten, offizieller Inhaber der Betriebe. Seine Lebensgefährtin, die angeklagte Russin, organisierte maßgebend den Betrieb. Bis Dezember 2011 waren in den beiden Bordellen etwa 1000 Prostituierte, überwiegend osteuropäischer Nationalität, tätig.

Prostituierte mit einer perfiden Masche nach Deutschland geholt

Mittels einer perfiden Masche sollen die Angeklagten die Frauen nach Deutschland gelockt haben: Sie warben damit, dass die Prostituierten selbstständige Unternehmerinnen seien. Dem war aber nicht so. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft unterlag die Tätigkeit der Prostituierten engen Vorgaben der Angeklagten. Diese gingen sogar soweit, dass einige Frauen das Bordell nicht verlassen durften.

In zahlreichen Fällen wurden Frauen aus dem Ausland zu dem Bordell gebracht und dort den Angeklagten übergeben. Im Bordell wurden die überbrachten, oft sehr jungen Frauen von den Angeklagten angewiesen, als Prostituierte zu arbeiten. Teilweise mussten sie zunächst den für die Überbringung gezahlten Betrag (500 Euro) abarbeiten. Um sicherzustellen, dass die Frauen tatsächlich der Forderung nach sexuellen Leistungen an Kunden nachkamen, nahmen die Angeklagten ihnen laut Anklage zum Teil deren Ausweispapiere und Telefone weg. In einzelnen Fällen soll der Angeklagte die Prostituierten auch zu diesem Zweck geschlagen oder ihnen an den Haaren gezogen haben.

Die Angeklagten meldeten laut Staatsanwaltschaft keine der Prostituierten zur Sozialversicherung an. Auf diese Weise wurden keinerlei Sozialabgaben gezahlt, wodurch ein Schaden in Höhe von etwa 1,7 Millionen Euro entstanden sein soll. Durch falsche Umsatzsteuerjahresklärungen sind zudem über vier Millionen Euro hinterzogen worden.

HINTERGRUND

Der Prozess gegen die Betreiber des Bordells beginnt am Dienstag, 13. November, um 9 Uhr. Für den Prozess sind neun Fortsetzungstermine anberaumt, und zwar am 16., 20., 27., 29. und 30. November, sowie am 4., 11., 18. und 21. Dezember. Die Verhandlungen beginnen jeweils um 9 Uhr im Sitzungssaal A 110 am Klever Landgericht auf der Schwanenburg. Verhandelt wird durch die 9. Strafkammer, die Wirtschaftsstrafkammer.

Insgesamt sind für den Prozess 45 Zeugen und ein Sachverständiger geladen. Drei betroffene Frauen sind als Nebenklägerinnen

Sarah Eul

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