Probat: Metaller trotzen Schneeregen

Vor und hinter Tor 3 bei Probat demonstrierte die Belegschaft für mehr Lohn.
Vor und hinter Tor 3 bei Probat demonstrierte die Belegschaft für mehr Lohn.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Metall- und Elektroindustrie kam es in Emmerich und Bocholt zu ersten Warnstreiks in der Tarifrunde 2015. IGM erhält Rückenwind. Kritik von Wim Abbing.

Emmerich..  Petrus zeigte den gewerkschaftlichen Forderungen die sprichwörtlich kalte Schulter. Pünktlich zum Warnstreik ließ er bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt Schneeregen vom Himmel prasseln. Höchst ungemütliche äußere Bedingungen, um für mehr Lohn zu kämpfen.

Trotzdem versammelten sich nach der Frühstückspause über 100 Probat-Beschäftigte aus Fertigung und Verwaltung vor Werkstor 3, um Flagge zu zeigen. Mit Transparenten, Trillerpfeifen und Rasseln machten sie sich lautstark bemerkbar. Dieses Signal sollte ein paar Meter weiter im Verwaltungsgebäude auch Wim Abbing mitbekommen, Probat-Geschäftsführer, aber mehr noch: Vorsitzender des Metallverbandes Ruhr-Niederrhein. Am 6. Februar geht’s in Mülheim für den Tarifbezirk NRW in die 3. Runde, mit Abbing.

Die IG Metall Bocholt hatte zum Warnstreik bei dem Röstmaschinen-Hersteller in Emmerich und bei Siemens in Bocholt aufgerufen, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Zu der konzentrierten Aktion in Bocholt kamen annähernd 2000 Beschäftigte von vier Siemens-Standorten, auch von Novoferm in Werth.

Probat-Betriebsratschef Gerhard Gertsen griff zum Megafon und erläuterte den Kolleginnen und Kollegen die aktuellen Hauptforderungen: „Ich bin stolz, dass so viele vor Tor 3 gezogen sind.“

Die Gewerkschaft war mit einer Forderung von 5,5 Prozent mehr Lohn angetreten. Weitere Komponenten sind Verbesserungen bei der Altersteilzeit gerade in unteren Lohngruppen und neu: die finanziell geförderte Bildungsteilzeit. Der Mangel an finanzieller Unterstützung und der eingeschränkte Zeitanspruch auf Freistellung hielten viele Beschäftigte davon ab, sich weiterzubilden, was den Fachkräftemangel verschärfen könnte, so die IGM.

Uwe Meyer, Politischer Sekretär der IG Metall Bocholt, hatte rote Käppis und 100 gelbe Warnwesten mitgebracht. Außerdem gab es Eiskratzer und Papiertaschentücher („Nase voll?“) mit dem Motto der Tarifrunde 2015: „Wir für mehr“. Meyer zog nach der rund 20-minütigen Aktion an der Reeser Straße ein positives Fazit: „Mit der Beteiligung bin ich bei dem Hundewetter voll zufrieden.“

Das sind die Arbeitgeber nicht. „Mit Warnstreiks in alte Rituale zurückzufallen hilft nicht weiter“, meinte Wim Abbing: „Wir brauchen Dialog statt Streik.“ Abbing kritisierte, dass die IGM mit „verschränkten Armen einen Lösungsvorschlag zurückgewiesen“ habe.

Die Arbeitgeber hatten in der 2. Verhandlungsrunde 2,2 % mehr Lohn angeboten. Doch nur für zehn Monate, so die Lesart des Bocholter IGM-Bevollmächtigten Hans-Joachim Hebing, so dass unterm Strich nur 1,83 % mehr heraussprängen. Über die Bildungsteilzeit ließen die Arbeitgeber gar nicht mit sich reden, und beim neuen Altersteilzeitmodell wollten sie selbst bestimmen, wer gehen dürfe, kritisiert Hebing.

Kaum war der Warnstreik beendet, da lugte die Sonne zaghaft hervor.