Praest bekommt eine Alten-Wohngemeinschaft

Das Pfarrhaus Praest wird ab Anfang Mai zu einer Wohngemeinschaft für Senioren.
Das Pfarrhaus Praest wird ab Anfang Mai zu einer Wohngemeinschaft für Senioren.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Pflege-Assistentin Marianne Reckmann eröffnet im Praester Pfarrhaus ab dem 1. Mai eine Wohngemeinschaft für ältere Menschen. Drei Damen ziehen ein.

Praest..  Praest bekommt eine Alten-WG. Und zwar im freien Pfarrhaus an der Johannes­straße. Pfarrer Wilhelm Bienemann ist ja bekanntlich in den Martinusstift gezogen. „Wir hatten das Pfarrhaus erst der Stadt angeboten als Flüchtlingsunterkunft“, berichtet Georg Elsing vom Kirchenvorstand. Man wollte ein Zeichen setzen. Doch die Stadtseite erklärte, man benötige das Haus nicht.

„Bezahlbares“ Altenwohnen

Jetzt hat Marianne Reckmann den Zuschlag erhalten. Die Pflege-Assistentin eröffnet die erste Alten-Wohngemeinschaft in Praest am 1. Mai. „Es wird wie eine Studenten-WG. Nur, dass hier Alte wohnen. Drei ältere Damen ziehen mit mir hier ein. Ein Zimmer bleibt frei. Da können zum Beispiel mal Angehörige übernachten. Oder wir nehmen mal jemanden für einen Tag auf, wenn die Angehörigen etwas vor haben. Wenn die Kindertagesstätte mal streikt und eine Oma gebraucht wird, können wir auch mal Kinder aufnehmen“, erklärt die 56-Jährige, die einem regen Draht zur angrenzenden Kita offen gegenüber steht. Die Duisburgerin, die seit vier Jahren in Emmerich lebt, sei die Präsenzkraft, die das Leben der Mitbewohner organisiere.

Reckmann macht klar, was ihr Credo ist: „Ich möchte den Menschen die Möglichkeit geben, in einer Familie die Endstation ihres Lebens richtig schön genießen zu können.“ Ein Lebensabschied mit Hurra, sozusagen.

Ihre 87-jährige Mitbewohnerin, die sie jetzt schon betreut und die mit nach Praest zieht, hat sie kürzlich auf Afrika-Reise begleitet. Es darf auch mal ein Abenteuer sein. Dazu sollen die Damen auch voll eingebunden werden. „Sie sollen bis zum letzten Atemzug noch Kartoffeln schälen können. Wir kochen zusammen, backen, nähen, spielen, gehen spazieren“, zählt Reckmann auf: „Ich lege Wert auf Kreativität. Niemand soll hier verdummen.“

Im Altenheim hat Reckmann gearbeitet: „Da habe ich auf einer Etage zwölf Menschen betreut. Das ist ok, aber nicht mein Standard.“ Vor vier Jahren fiel der Entschluss, in die private Pflege zu wechseln. Am Schafsweg hat Reckmann eine Dame in ihrem Haus betreut, die nun aber ins Altenheim musste. Deshalb nun die Entscheidung: „Ich mache selbst etwas auf.“

Sie nahm Kontakt mit der Kirche auf. Heinz Lukkezen von der Zentralrendantur war sofort begeistert von ihrem Konzept. Auch Pfarrer Bernd de Baey streckte ihr die offene Hand entgegen: „Obwohl ich Evangelin bin, die katholische Kirche hat mich so nett empfangen. Ich bin begeistert“, verrät Reckmann.

Die 56-Jährige verspricht, dass das Leben in der Alten-WG „bezahlbar“ sei: „Das kann sich jeder normale Rentner erlauben.“ Eine Demenzbetreuung komme geregelt ins Haus. Eine weitere Pflegerin wird Reckmann unterstützen. Und wenn sie mal Urlaub macht, werden soziale Dienste aushelfen.

Die Zimmer sind bereits vermietet. Eine Warteliste gibt’s schon. Zur Eröffnung am 1. Mai ist ein Tag der offenen Tür geplant – ab 14.30 Uhr.