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Pispers kann’s noch

10.03.2011 | 16:14 Uhr
Pispers kann’s noch

Emmerich.Politisch korrekt muss ein Aschermittwoch nicht sein.Seit 28 Jahren unterhält der Kabarettist Volker Pispersseine Fans mit humorigen Einlagen. Zuschauer amüsierten sich prächtig.

Das erwartete das Publikum im ausverkauften Stadttheater von Volker Pispers auch nicht. Im Gegenteil, der Kabarettist benannte die Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten in der Welt wie gewohnt völlig ungeschminkt und frei nach der allzu beliebten Formel: „Das wird man wohl noch sagen dürfen.“ Und so amüsierten sich die Zuschauer prächtig, wenn Sarrazin und seine Fans als Vollpfosten bezeichnet werden, die Schweiz den fragwürdigen Titel „Hehl – vetia“ erhält und alle, die keinen Mindestlohn bezahlen, in die Schublade der Unanständigen gesteckt werden. Für diese Bissigkeit liebt ihn sein Publikum seit nunmehr 28 Jahren, beklatscht seine verblüffenden Erkenntnisse und buhte nur ein einziges Mal.

Denn Pispers erwähnte bei seiner humorvollen Rückschau auf das Jahr 1990, dass „wir“ da Fußballweltmeister waren, „aber richtig, nicht nur bei den Frauen.“ Solch eine Aussage einen Tag nach dem Internationalen Frauentag verdient ein dreimal kräftiges „Buh!“

Dreistündiges Programm

Ansonsten war es zeitweise während des drei Stunden langen Programms an manchen Stellen geradezu still. Denn der Kabarettist machte nur allzu deutlich, dass das System des Kapitalismus, der allen Menschen durch ungebremstes Wachstum den gleichen Lebensstandard sichert, nicht möglich ist. Und führte an Beispielen aus, dass die „Mauer uns reich gemacht hat, meine Damen und Herren!“ An anderer Stelle konnte dann wieder kräftig abgelacht werden, auch dann, wenn Frauen ihre „angeborene emotionale kapitalistische Intelligenz“ beweisen, denn sie kaufen zur Freude der Wirtschaft 20 Paar Schuhe, obwohl sie nur zwei Füße haben. Ob das auch mit Handys oder Autos funktioniert?

Und dann kam zum Schluss das, worauf alle gewartet hatten, auch wenn Pispers halbes Programm letzte Woche zurückgetreten ist: Guttenberg. Aber Gutti wird wiederkommen, denn getreu dem Motto „Nur wer lügen kann, ohne rot zu werden, ist ein echter Schwarzer“ haben schon viele konservative Lügner Karriere gemacht. Und der Zuschauer ist erstaunt über die Aufzählung illustrer Namen, die einem schon fast entfallen waren: „Old Schwurhand“ Zimmermann, Kohl, Koch, Schäuble. Und auch „Mutti Merkel“ wird noch lange bleiben, da ist sich Pispers sicher: „Da wissen wir doch, was wir haben – eine, die Gipfel stürmt, ohne dass diese jemals ein Ergebnis hervorgebracht haben.“

Gisela Behrendt

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