Pappelfreunde aus Rees machen ihrem Ärger Luft

Hier am Holländerdeich sind 100 Pappeln gefallen.
Hier am Holländerdeich sind 100 Pappeln gefallen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Offener Brief ging an Landrat Wolfgang Spreen. Darin fordern die Absender eine Überprüfung der Abholzungen am Holländerdeich in Millingen und an der Budberger Straße in Emmerich

Rees/Emmerich..  Mit einem offenen Brief an den Landrat Wolfgang Spreen haben jetzt Bürger aus Rees, die Viersener Bürgerinitiative „Rettet die Pappeln am Niederrhein“ und der „Arbeitskreis Heckenschutz“ auf zwei Fällaktionen von Pappeln reagiert. Es geht dabei um die 100 Bäume am Holländerdeich in Millingen und der Pappelallee mit einer Länge von rund 200 Metern an der Budberger Straße in Emmerich.

Geltendes Recht missachtet?

„Wir sehen geltendes Recht und Gesetz missachtet“, ist Roswitha Lohmann, Pappelfreundin aus Bienen, empört. Die Künstlerin, die früher in Oberhausen daheim war, ist eigens wegen des hierzulande so attraktiven Landschaftsbildes nach Rees gezogen. „Wo sind nun die landschaftsprägenden Bäume?“, fragt sie rhetorisch. Sie habe als Bürgerin des Niederrheins doch einen Anspruch darauf, dass dieses prägende Bild erhalten bleibe, fährt die Bienenerin fort.

Sie ist daher froh, dass Pappelfreunde aus Viersen, die bereits einen erfolgreichen Kampf ausgefochten, konkret für den Kreis Kleve eine Unterschutzstellung vieler Pappelbäume erreicht haben, ihr Anliegen unterstützen.

Die Pappelfreunde haben die beiden Fällaktionen bei der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Kleve angezeigt. Weil, wie sie begründen, „Alleen gemäß §47 a des Landschaftsschutzgesetzes NRW gesetzlich geschützte Landschaftsbestandteile“ sind. Sie bitten um juristische Prüfung, gegebenenfalls um Verhängung eines Bußgeldes sowie Anordnung von Kompensationsmaßnahmen bzw. eines Ersatzgeldes. „Wir werden das siebenseitige Schreiben prüfen“, teilte Elke Sanders, Pressesprecherin des Kreises Kleve, auf Nachfrage mit. Mit einer Stellungnahme sei aber erst nach Ostern zu rechnen, bat sie um Verständnis.

Den Unterzeichnern, darunter Ludwig Mertens aus Viersen, geht es vor allem darum, Bürger wie Behördenvertreter für das Thema zu sensibilisieren. „Damit zumindest noch die letzten verbliebenen Pappelalleen erhalten bleiben“, so Mertens. Sollten sie dennoch gefällt werden müssen, so seine Anliegen, sollten Schwarz- oder Hybridpappeln nachgepflanzt werden.

Denn Mertens hält die Pappel – entgegen immer wieder gemachten Behauptungen – für eine durchaus heimische Baumart. „Versteinerungen von Pappeln, gefunden im Braunkohletagebau Garzweiler, beweisen das“, weiß der Diplom-Ingenieur. Auch die oft angeführte Verkehrssicherungspflicht hält Mertens vielfach für vorschoben.

„Das Thema ist doch schon längst durch“, ärgert sich Walter Ahrendt, Diplom-Biologe beim Naturschutzzentrum in Kleve, auf die Fällaktion am Holländerdeich angesprochen. Der Pappelholzriegel sei nicht mit dem Schutz der Wiesenvögel vereinbar. „Hätten wir die hohen Bäume nicht fällen lassen, die Feinden der Wiesenvögel als Ansitz dienen, wäre auch der Landankauf, den wir dort zum Schutz von Uferschnepfe & Co. getätigt haben, sinnlos, so Ahrendt. Dem Argument, dass mit dem Abholzen der Bäume, der Artenreichtum eingeschränkt werde, widerspricht er. „Der dort vorhandene Heckenstreifen kann sich dafür besser entwickeln, der ein wesentlich artenreicheres Öko-System möglich macht“, so Ahrendt.