Opfer hat Angst, abends das Haus zu verlassen

Isselburg/Bocholt..  Schweißausbrüche und Herzrasen – genau das soll eine 22-jährige Isselburgerin immer dann verspüren, wenn sie ihren Ex-Freund trifft. Hinzu käme noch die Angst, das Haus nach 22 Uhr zu verlassen. Zumindest laut Anklageschrift. Der „Ex“, ein 28-jähriger Isselburger, hätte ihr in der Zeit nach der Trennung am elterlichen Wohnhaus aufgelauert und sie mit unterdrückter Rufnummer zwischen dem 11. und 30. September ständig angerufen. Wegen des Vorwurfs der Nachstellung musste sich der junge Mann gestern vor dem Bocholter Amtsgericht verantworten. Am Ende wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Ob sie nun tatsächlich eine Beziehung hatten oder nicht – schon allein darüber waren sich die jungen Isselburger uneins. Zumindest war man sich darüber einig, dass man nach einem Streit am 30. August getrennte Wege ging. Nur kurz danach, so sagte das Opfer bei der Polizei aus, sei sie vom Angeklagten angerufen und über Facebook angeschrieben worden. Vor allem am Telefon hätte der 28-Jährige immer gefragt „Schatz, wann sehen wir uns wieder?“ – so hatte es die junge Frau der Polizei zu Protokoll gegeben.

Der Angeklagte stritt das allerdings ab. „Ja, anfangs habe ich sie ein paar Mal auf Facebook angeschrieben“, erklärte er gestern Richter Bernhard Bone. Doch mehr sei wirklich nicht gewesen. „Nach dem 30. August habe ich sie nicht mehr angerufen.“ Auch davon, dass er um ihr elterliches Haus herumgeschlichen sei, will er nichts wissen. „Der Vater hat sie aber gesehen und Hausverbot erteilt“, so der Richter. „Ja. Aber das war noch zu der Zeit, als wir zusammen waren: im August“, so der 28-Jährige.

Die Aussage des Opfers ließ dann eher Verwunderung und Unglauben zurück. Körperlicher Kontakt zum Angeklagten hätte bestanden, eine Beziehung aber nicht. „Hat er sie denn angerufen? Haben sie mit ihm gesprochen?“, wollte die Staatsanwaltschaft wissen. „Nein. Ich bin nur einmal drangegangen. Da glaube ich, dass ich ihn im Hintergrund gehört habe. Es war ja eine unterdrückte Rufnummer“, so die Zeugin.

Richter und Staatsanwalt verwiesen auf ihre anders lautende Aussage bei der Polizei. Erklären konnte die junge Frau die Unstimmigkeiten nicht. Die Staatsanwaltschaft regte an, das Verfahren einzustellen. Auf Kosten der Staatskasse.