Olli hatte seinen ersten Einsatz

Ein Verletzter wird bei der Übung geborgen.
Ein Verletzter wird bei der Übung geborgen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Technisches Hilfswerk und Malteser probten bei einem Großeinsatz eine mögliche Katastrophe. Die Hundestaffel war zum ersten Mal mit von der Partie.

Haffen/Emmerich..  Man stelle sich folgendes Szenario vor: Jugendliche nutzen ein unwegsames Gelände als Ort, um ungestört „abzuhängen“ mit Alkohol oder Drogen. Was als ruhiges Stelldichein beginnt, endet in einer Katastrophe – mit zahlreichen Verletzten. So einen Großeinsatz probten das Technische Hilfswerk (THW) und die Malteser Emmerich auf dem Gebiet des Kieswerks der Firma Hülskens an der Lohrwardtstraße im Reeser Ortsteil Haffen.

Schon um kurz nach neun Uhr wurden die Helfer alarmiert. Von Emmerich aus starteten sie ihre Mission. Die Information: Zahlrei-che Kinder und Jugendliche sind auf dem Gelände des Kieswerks verschüttet oder verletzt. Insge-samt über 60 Personen sind im Einsatz, davon 16 Kinder vom THW, die die Verletzten spielen. Um sie überhaupt erst einmal alle aufzuspüren, setzt das Malteser erstmals ihre Hundestaffel ein. Schnell strömen die Hunde aus, durchkämmen das Gelände und zeigen durch lautstarkes Gebell an, wo sie eine verletzte Person ausgemacht haben.

Die Chaos-Phase

„Wir sind gerade in der Chaos-Phase“, erzählt Pascal Wieners von den Emmerichern Maltesern. Alle Kräfte zu bündeln und zu koordinieren, das sei nun die Herausforderung. Ein Zweck der Übung sei es, herauszufinden, was die Hundestaffel schon alles kann. Hundeausbilderin und Einsatzleiterin der Hundestaffel, Linda van Wakern, zeigt sich mit dem Verhalten ihrer Schützlinge durchaus zufrieden. Gut zwei Jahre brauchen die Tiere, um richtig ausgebildet zu sein und auch die nötige Erfahrung und Ruhe zu haben. Für van Wakern ist es erstaunlich, wie schnell sie das große und unübersichtliche Gelände erkannt und alle 16 Personen aufgespürt haben. Dabei sind unter den Spür- und Trümmersuchhunden nicht bloß Schäferhunde. Auch Dackel und Boxer sind durchaus für diese Aufgabe geeignet. „Wichtig ist ein ausgeprägter Spieltrieb und eine gute und ausdauernde Konzentration der Hunde“, erläutert van Wakern.

Für den fünfjährigen Labrador Olli und seine Besitzerin Anke te Kempel war es das erste Mal. Sie sind erst seit drei Monaten bei der Hundestaffel. Trotz dieser erst kurzen Zeit hat der Labrador seine Sache gut gemacht. „Er zeigt noch Anfängermuster“, betont Anke te Kem-pel, schließlich sei das Szenario sehr nah an der Realität, die Opfer versuchen sehr authentisch rüberzukommen, bewegen sich nicht, sind teilweise nicht ansprechbar. Das mache den Reiz an dieser Großübung aus.

Wenn die Hunde ihre Arbeit erle-digt haben, beginnt für die Ret-tungssanitäter und das THW der Einsatz. Sie müssen die Verletzten versorgen, Wunden notdürftig be-handeln und die Leute transportfä-hig machen. Dabei ist es manch-mal gar nicht so leicht, überhaupt an den Verletzten heran zu kom-men. So liegt eine Person einge-klemmt unter Gerüstteilen, eine verschollen im Gelände in einer Mulde, zwei weitere sind auf dem Gelände in eine Grube eingebro-chen. Geduldig warten die Verletz-ten mit gebrochenen Armen und Beinen auf ihre Rettung. Bei die-sen Temperaturen nicht ganz ein-fach. Doch heißer Tee und ein kräftiger Eintopf warten bereits auf sie.

Die Hundestaffel aus Emmerich gibt es schon seit gut 40 Jahren. Doch erst vor ein paar Jahren haben sie sich den Maltesern angeschlossen, auch, um eine bessere Vernetzung zu haben und bei Einsätzen schnel-ler hinzugezogen zu werden.