Noch ein Gesundheitszentrum für Elten

Rainer Elsmann und Norgard-Ota Wennekers vor der Klosterstraße 11 (rot/weiß) und 13 (Ex-Schlecker).
Rainer Elsmann und Norgard-Ota Wennekers vor der Klosterstraße 11 (rot/weiß) und 13 (Ex-Schlecker).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Außer an der Schule sollen sich auch an der Klosterstraße 11 und 13 einige Mediziner ansiedeln. Auch altersgerechte Wohnungen sind geplant.

Elten..  Den Ärzten wird in Elten der rote Teppich ausgerollt. Nicht nur an der Luitgardisschule, auch an der Klosterstraße soll ein Gesundheitszentrum entstehen. Wenn auch hier eher zwei bis drei medizinische Ansiedlungen vorgesehen sind.

„Alles fing an mit meiner Oma“, sagt Norgard-Ota Wennekers von Business Partner and Friends, die gemeinsam mit Rainer Elsmann Immobilien und den Raumwerk Architekten Köln das Projekt seit rund eineinhalb Jahren – eher hinter verschlossenen Türen – voran getrieben hat. „Auch mit 90 hat sie das Bedürfnis, am Gemeinschaftsleben teilzunehmen“, so Wennekers. Deshalb entwickelte sie die Idee, in Eltens Mitte etwas zu bieten. Es gibt noch mehr Menschen wie diese Oma, für die es einen Bedarf gibt.

Denn im Gesamtkomplex an den Hausnummern 11 und 13 (Leerstand Schlecker) soll zur Straße hin das Gesundheitszentrum entstehen, hinten raus neun altersgerechte Wohnungen – im Schnitt 55 bis 60 Quadratmeter groß. Die Inhaberin der Immobilien (Schüling) freue sich, dass so etwas Schönes entstehen könne, verrät Wennekers, deren Vater Hans-Jürgen Wennekers als erfahrener Projektentwickler beratend zur Seite steht.

Besonders das Gebäude an der Klosterstraße 11 hat viel Planungsarbeit beschert, denn es ist denkmalgeschützt. „In Kooperation mit Bärbel Offergeld von Raumwerk Architekten, die sehr viel Erfahrung und Feingefühl für denkmalgeschützte Gebäude haben, soll der Denkmalschutz unterstrichen werden“, sagt die 29-jährige Wennekers, die seit 28 Jahren in Elten lebt.

Die barrierefreien Wohnungen und das Gesundheitszentrum sollen durch einen Gemeinschaftshof verbunden werden.

Die Wohnungen parterre bekommen einen kleinen Garten, in der ersten und zweiten Etage sind Balkone vorgesehen – zum Teil mit Blick auf die Martinus-Kirche. Parkplätze sind von der Streuffstraße aus erschlossen.

Physiotherapie Geurkink interessiert

„Sehr konkrete Gespräche“, sagt Wennekers, führe man bereits mit Physiotherapeut Harry Geurkink (aktuell im ehemaligen Rathaus untergebracht). Die Ansiedlung eines Allgemeinmediziners dürfte zunächst nicht so einfach sein, denn die Emmerich und Rees zugewiesenen zwölf Stellen sind im Moment belegt, wie Dr. Hans-Jürgen Doerwald, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung im Kreis Kleve, erklärt (siehe unten). Es müsste also erst ein Hausarzt in Rente gehen, bevor sich einer ansiedeln kann: „Ich bin in Verhandlungen mit einer Kollegin. Sie hätte die Möglichkeit da einzuziehen, wenn ich zum Beispiel mal in Rente gehe.“

Ist es für Elten nicht zu viel, wenn zwei Gesundheitszentren geplant werden? „Das ist ok. Das kann für Elten eine Bereicherung sein“, sagt Wennekers. Bis wann wird das Projekt realisiert? Den Denkmalschutz habe man schon abgearbeitet. „Es laufen mehrere Gespräche. Mal gucken, was die nächsten Wochen bringen“, hält sich Rainer Elsmann noch bedeckt.

Dr. Doerwald (68): „Ich höre noch lange nicht auf“

Das ist eine Nachricht, die viele Eltener Patienten beruhigen wird: „Ich höre noch lange nicht auf“, sagt Dr. Hans-Jürgen Doerwald. Der 68-jährige Hausarzt ist noch voller Elan: „Wenn ich aufhöre sollte, werden meine Patienten lange im voraus informiert.“

Zweifel an Subburayalu-Plänen

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Kreis Kleve hat außerdem Zweifel daran, dass das von Dr. Arun Subburayalu geplante Gesundheitszentrum an der Luitgardisschule in der vorgesehenen Form entsteht. Wie berichtet, plant Subburayalu einen vierten Hausarzt anzulocken (wobei zwei Mediziner in seinem Haus keine Vollzeitstellen haben), dazu Orthopädie, Physio-, Ergo-, Logopädie, Zahnarzt, Apotheke, Café, Parkplatz. Zunächst, so Doerwald, könnten sich formal im Moment in Emmerich/Rees keine weiteren Hausärzte niederlassen. Der Kreis sei in Mittelbereiche aufgeteilt. „Im Kreis Kleve fehlen zwölf Hausärzte, aber nicht in Emmerich und Rees“, so Dr. Doerwald. Drei fehlten im Mittelbereich Kleve, zu dem auch Bedburg-Hau, Kalkar und Kranenburg gehören, sieben in Goch (Uedem/Weeze) und zwei im Gelderner Raum. Es sei schwer, diese Stellen zu besetzen. Bei der von Subburayalu angedachten Orthopädie sei es noch gravierender: „Hierfür ist der Kreis Kleve gesperrt.“ Heißt: Alle Stellen besetzt.

Die Wennekers-Pläne an der Klosterstraße sieht Doerwald optimistischer: „Die Lage ist ideal. Es ist eine Apotheke in der Nähe. Er hat einen Physiotherapeuten an der Hand.“ Die Größe sei die richtige für Elten.

Langfristig werden größere Probleme kommen. 25 Prozent der Hausärzte im Kreis seien über 60 Jahre alt. In Emmerich liege der Schnitt bei 59. „Derzeit sind im Kreis Kleve 177 Hausärzte aktiv. Bis 2030 werden uns 90 fehlen. Da ist ein Strukturwandel zu erwarten. Es werden zu wenig Hausärzte ausgebildet“, sagt Dr. Doerwald. Zu wenig Medizin-Studenten wollen Hausarzt werden, „dabei hat der Hausarzt das Ohr an der Basis. Es ist spannender als viele denken“, wirbt der Eltener.

Für Uni-Absolventen sei der Kreis Kleve wenig(er) interessant. Nicht nur Hausärzte sind Mangelware: „Es ist auch schwer, gute Mitarbeiterinnen zu finden. Arzthelferinnen werden dringend gesucht“, verrät der KV-Vorsitzende.