Nicht sexy, aber zukunftsträchtig

Foto: dpa

Emmerich..  Der Begriff mag sperrig und nicht sexy klingen. Einige schalten auch ab, wenn sie zum x-ten Mal das Wort Demografie hören. Wieder andere halten das für ein Alte-Leute-Thema. Ein Irrtum. Der Demografiebeauftragte, der auf Antrag der SPD noch 2015 oder 2016 seine Arbeit im Emmericher Rathaus aufnehmen soll, muss alle Generationen und Lebensbereiche im Blick haben. Gerade auch Familien und jüngere Leute, für die es gilt, in Emmerich ein attraktives Umfeld vorzuhalten, damit sie nicht wegziehen. SPD-Vize-Fraktionschefin Andrea Schaffeld nennt ein Beispiel: „Wohnungen sind für junge Leute viel zu teuer.“ Der Grund: Weil vor allem für ältere Semester gebaut wird, senioren- und behindertengerecht, und das macht den Wohnraum teurer. „Wir dürfen die Jugend nicht verlieren, das kann nicht gesund sein“, warnt Schaffeld. Solche Aspekte bei der Wohnbau-Planung muss der Demografiebeauftragte, es wäre übrigens der erste im Kreis Kleve, auch auf dem Radar haben. Genauso wie Kindergarten- und Schulentwicklung und die Belange der dank höherer Lebenserwartung immer zahlreicher werdenden älteren Bürger.

Fast die Hälfte ist 50 und älter

Das zeigt sich auch am Beispiel Emmerichs. 13 000 der 30 000 Einwohner, also fast die Hälfte, sind über 50 Jahre alt, 5100 bis 17 Jahre alt und 12 000 zwischen 18 und 49 Jahre alt, 6250 sind Ausländer. Die richtigen Rückschlüsse aus diesen Trends muss auch die Stadt Emmerich rechtzeitig ziehen. Sie war in Sachen Demografie recht früh unterwegs. Es war Dr. Winfried Kösters (Bertelsmann-Stiftung), der SOS funkte, als er vor einigen Jahren in Emmerich warnte, es sei 5 nach 12. Vorarbeiten sind geleistet. So gab es Arbeitskreise zu Wohnen oder Handel. Die Stadt erarbeitete ein Strategiepapier, das Handlungsfelder aufzeigte, und es gab drei Demografieberichte. „Wir sind schon ein Stück weiter als andere“, konstatiert SPD-Chef Peter Hinze. Nun muss der Demografiebeauftragte im Verein mit Politik, Verwaltung und Bürgerschaft Schritt für Schritt die Themen anpacken. „Es mangelte bisher an Leuten, die das fest in der Hand haben“, so der Eindruck von Leonie Pawlak (SPD), Vorsitzende der Seniorenvertretung.
Aus der alltäglichen Praxis einer Demografiebeauftragten berichtet Evelyn Breuer-Wirtz aus Weilers-wist beim Demografie-Tag der SPD am 24. Juni, 19 bis 20.30 Uhr, im PAN (Ablauf siehe Box).