Nicht alle freuen sich über den Ganztag

Emmerich..  Es sollte ein Abend der Aufklärung sein. Darüber, wie bald wahrscheinlich der Ganztag am Willibrord-Gymnasium gestaltet wird. Doch Schulleiterin Inge McKay musste sich vor den anwesenden Eltern ausgiebig rechtfertigen. Es wurde ein Diskussionsabend.

Doch der Reihe nach. Pünktlich um 18.30 Uhr eröffnete Ulrich Lüthge den Info-Abend. Was gibt es Angenehmeres, als mit dem Essen zu beginnen? Die Kinder würden ein gutes, reichhaltiges Essen erhalten. Dazu muss jedoch die bestehende Cafeteria umgebaut werden. Das ist für die Schule kein Problem. Auch Bürgermeisters Johannes Diks versicherte: Die Stadt stehe voll hinter dem Ganztag. Jedoch fehle noch die Genehmigung der Bezirksregierung. Das will man angehen, wenn der Ganztag beschlossene Sache ist.

Drei Tage bis 15.05 Uhr geplant

Ulrich Lüthge verließ die Bühne. Mit ihm gingen etwa 25 Zuschauer. Warum? Das bleibt deren Geheimnis. Es waren noch etwa 180 Zuschauer zugegen. Nach kurzer Ansprache von Diks, dessen Stimme vom Vortag (Prinzentreffen) vom vielen Reden noch leicht lädiert war, übernahm McKay. Die Schulleiterin gab Einblick in bisherige Ganztagsangebote, die zehn Schüler wahrnehmen.

Für den Blick in die Zukunft wartete die Rektorin mit einer Power-Point-Präsentation auf. Sie hat den Zuhörern sehr gefühlvoll und deutlich erklärt, wie der Ganztag aussehen solle. Dass etwa die neue 5. Klasse nach den Sommerferien mit dem Ganztag beginnen würde. Es würde erst mit drei Ganztagstagen gefahren bis um 15.05 Uhr. Die Schüler hätten dadurch zirka zwei bis drei Stunden mehr Unterricht.

Es gehe um neue Unterrichtsformen, etwa die bildende Kunst. Ein namhafter Bildhauer hat schon seine Hilfe zugesagt. Oder es wird ein Dance-Workshop angeboten für die „bewegten“ Pausen. In den Pausen sollen sich Kinder nämlich bewegen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist eine Fachbetreuung der Schüler. Dem Gymnasium stünden vier neue Lehrkräfte und weitere Gelder des Landes zu.

Das wurde jetzt wohl einigen Müttern zu viel. Sie setzten McKay massiv mit unangenehmen Fragen unter Druck, die oft das Wohl des eigenen Kindes im Sinn hatten. Eine Mutter sagte: „Sie wollten doch erst im Schuljahr 2017/2018 damit beginnen. Ich fühle mich jetzt überrumpelt.“ Oder: „Mein Kind kann sich dann nicht mehr mit Freunden verabreden, und ich hätte es gerne zum Mittagessen zuhause.“

Die Rektorin antwortete auf alles. Bis es einem Zuhörer zu viel wurde, der dann Eltern den Hinweis gab, doch mal in die Niederlande zu schauen, wo es den Ganztag seit rund 50 Jahren gebe.

McKay appellierte an die Eltern, sie mögen mehr gemeinschaftlich denken. Es gibt Mütter, die seien auf den Ganztag angewiesen. Und: In den Ganztagsstunden werden die Pädagogen die mehrfachen Intelligenzen viel besser feststellen und fördern können.