Mühevoller Neustart der Kirche in Emmerich

Pfarrer Bernd de Baey (re.) leitete die erste Sitzung des Rates der Seelsorgeeinheit  im Aldegundispfarrheim.
Pfarrer Bernd de Baey (re.) leitete die erste Sitzung des Rates der Seelsorgeeinheit im Aldegundispfarrheim.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der neue Rat der Seelsorgeeinheit St. Christophorus/St. Johannes der Täufer vertagt Wahl des Leitungsgremiums. Mitglieder sollen sich erst näher kennenlernen. Pfarrer de Baey zeichnet ungeschöntes Bild.

Emmerich..  Während im oberen Stockwerk des Aldegundisheims die Chorgemeinschaft kräftig probte, bemühte sich unten im Saal der neue Rat der Seelsorgeeinheit St. Christophorus/St. Johannes der Täufer, das Gemeindeleben wieder harmonisch in Gang zu bringen. Doch der Motor stockt. Die dunklen Schatten der Vergangenheit schimmern immer noch durch. Zu viel Porzellan ist zerschlagen worden, und die Scherben müssen mühsam wieder gekittet werden.

Eigentlich sollten die 14 von den sieben Kirchausschüssen entsandten Mitglieder ihr Leitungsgremium wählen. Doch das wurde erst einmal verschoben, nachdem Günther Zettler (Liebfrauen) dies beantragt hatte, um sich erst einmal gegenseitig zu beschnuppern: „Viele kennen sich untereinander, ich kenne nicht viele.“ Für seinen Antrag gab es nur drei Stimmen, doch weil die anderen sich enthielten, wurde dem Wunsch stattgegeben. Die nächste Sitzung des Rates wurde nach den Sommerferien auf den 26. August terminiert.

Plädoyer für mehr Toleranz

Zur konstituierenden Sitzung waren sämtliche 14 Mitglieder erschienen, aber nur ein Dutzend interessierter Zuhörer fand sich ein. Der Rat soll bis zur Wahl eines neuen Gremiums durch das Kirchenvolk Ende 2017 amtieren. Die neuen Mitglieder stellten sich kurz vor. Es sind: Stephanie Ess und Ursula Stevens (St. Aldegundis), Claudia Ewert und Susanne Gerritsen (St. Martini), Gabriele Debiel und Georg Maiß (Heilig-Geist), Günther Zettler und Karl-Heinz Lammerich (Liebfrauen), Ursula Otten und Ralf Langela (Praest), Brigitte Meyer und Franz-Josef Meyer (Vrasselt) sowie Petra Hermsen und Hildegard Franken (Dornick).

Ralf Langela aus Praest sagte: „Ich möchte mit anderen einen Neuanfang wagen, es könnte gelingen“, und Brigitte Meyer aus Vrasselt ermunterte die anderen: „Packen wir’s zusammen an!“ Auch Pater Zakarias Sago machte Mut: „Wir sind nicht tot, wir sind noch da, uns gibt es noch.“ Er freue sich auf den neuen Geist, der hoffentlich wehen werde. Pastoralreferent Matthias Lattek plädierte für Toleranz im gegenseitigen Umgang und zeigte sich froh, dass christliches Leben in Emmerich weitergehe, aber. „Dazu braucht es vieler.“ Dem Gremium gehören u.a. auch der Pfarrer selbst, ein Pastoralreferent, ein polnischer Vertreter, ein Mitarbeitervertreter sowie eine indische Ordensschwester aus dem Krankenhaus an.

Aus dem Kreis kamen erste Vorschläge für Sachausschüsse: Liturgie, Jugendarbeit, Weltkirche, Mission, Familie oder Ökumene. Pfarrer Bernd de Baey regte an, es müsse auch etwas zum Thema Flüchtlinge/Migration geben.

Auch die vom Bistum gewünschten lokalen Pastoralkonzepte kamen zur Sprache. Dieser schon eingeleitete Prozess war durch die internen Querelen ins Stocken geraten. Wenn man der Gemeinde ein Gesicht geben wolle, müsse man sie auch großflächig befragen und das statistische Material auswerten, sagte Gabriele Debiel. „Das ist eine Aufgabe, die Kräfte absorbiert“, fand Pfarrer de Baey. Eile bestehe aber nicht, auch wenn dieses Thema im Bistum gerade aktuell sei.

Auf die immer noch rumorenden Querelen war der Stadt- und Landpfarrer in seinem Eingangsstatement ausführlich eingegangen. Sit sieben Monaten in Amt und Würden, zeichnete der 50-Jährige ein ungeschöntes Bild der Gegenwart. „Dieser Konflikt ist immer noch nicht bereinigt. Es gibt einen Riss, der durch die Gemeinde geht.“

Äußerlich sei zwar alles friedlich, aber er spüre, dass er weiter schwele. Der Konflikt habe eine zerstörerische Wirkung gehabt, die verheerend nach innen und außen gewirkt habe: „Der christliche Anspruch ist weitgehend verspielt worden.“

Als mahnendes Beispiel führte er die Ereignisse in der katholischen Kirche der Niederlande Ende der 60er Jahre vor Augen, wo sich Konservative und Fortschrittliche zerfleischt hätten mit dem Resultat, dass viele Kirchen geschlossen werden mussten. Von einst neun Kirchen in Arnheim sei eine übrig geblieben. „Auch bei uns hier steht viel auf dem Spiel“, warnte er.

Die Kirche müsse sich wandeln und von traditionellen Bildern Abschied nehmen: „Wir brauchen Öffnung und Mut.“ Er sei froh, dass sich viele bereit erklärt hätten, im neuen Rat der Seelsorgeeinheit mitzuwirken, wohl wissend, dass der Konflikt sie weiter latent begleite. Jeder müsse das Beste für die Kirche wollen. Niemand sei im Besitz der allein selig machenden Wahrheit. Er bat inständig, endlich von Unterstellungen und Mutmaßungen Abstand zu nehmen, sondern von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Diese neue Gesprächskultur brauche viel, viel Zeit und bedürfe vieler kleiner Schritte. Man könne das Pflänzchen Versöhnung nicht einfach aus dem Boden ziehen: „Das muss von selber wachsen“, so der Hobbygärtner.