Mit Bastian Pastewka in die Paul-Temple-Zeit der 40er-Jahre

WDR5 KRI
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Foto: WDR/Carsten Sander
Was wir bereits wissen
Im Stadttheater begeisterten Bastian Pastewka und seine Crew mit einem sehbaren Radio-Krimi. Am Ende gab es vor ausverkauften Haus stehende Ovationen.

Emmerich..  Man nehme den NWDR-Straßenfeger der 1940er-Jahre, suche nach einem Kriminalisten Paul Temple der Neuzeit (alias Bastian Pastewka), stelle ihm vier humorige Schauspieler wie Janina Sachau (Ehefrau Steve) und die in verschiedenste Rollen schlüpfenden Edda Fischer, Kai Magnus Sting und Alexis Kara (bekannt als Dennis Knossalla aus der ZDF-heute-show) zur Seite. Fertig ist die Grundlage für ein etwas anders wiederbelebtes Hörspiel!

Die Figur Paul Temple, geschaffen einst von Sir Francis Durbridge, mit all seinen Komplizen ist auf eine besondere Weise zurück. Im Stadttheater war es rappelvoll. Ein total gemischtes Publikum von Jung bis Junggeblieben ließ sich mal eben gut 60 Jahre zurückversetzen. Da waren Spannung und Überstrapazieren der Lachmuskeln angesagt.

Im schmierigen Nachtclub

Erst recht als eine Szene, regelmäßig im Auto gespielt, sich immer wiederholte. Da ging man mit, als das Ehepaar Temple samt Auto und einer enormen Geräuschkulisse bis zum „blub blub“ unter Wasser im See landete. Da verschlug es einen in den schmierigen Nachtclub „Brazil“ von Zola und wurde zudem mit Schlagern der damaligen Zeit, gesungen von den fünf Künstlern, wie „Am Zuckerhut“ oder „Maria auf Bahia“ verwöhnt.

Zudem durften natürlich regelmäßige Szenen im Büro von Scotland Yard und dessen Chef Sir Graham bei der Suche von Mister Gregory nicht fehlen. Alles stets garniert mit den passenden, von Pastewka und seinen Komplizen gemachten Geräuschen: Mal mit Mund, Hand und Fuß, mal mit Hilfsmitteln wie einer ollen Bananenkiste als Pistolenknall, einem Wellblech für Gewitter und Donner, einer Schranktüre als Haus- und einer Kühlschrank- als Autotür.

Dass sie das perfekt beherrschen und keiner dem anderen in jeglicher Hinsicht nachsteht, bewiesen Temple und Co hörbar und visuell auf eindrucksvolle Weise. Dazu gab‘s echte Themse-Nebelschwaden im Stadttheater und die teilweise schaurige eingespielte Musik des Komponisten Hans Jönsson.

Kurz nach 22 Uhr sollte Schluss sein. Versteinert saß Bastian Pastewka auf seinem Platz. Keine Regung mehr. Schluss, Punkt, Aus mit der deutschen Fassung! Weiter ging’s in deutschen Stuben vor den Radiogeräten damals nicht mehr.

„Bitte machen Sie sich keine Sorgen“, beruhigte dann Pastewka. Mal gut, dass es eine norwegische Fassung von „Paul Temple und dem Fall Gregory“ gibt. Norwegisch beherrschen die fünf ebenfalls perfekt. Und warum Norwegen? Dort war man seinerzeit richtig stolz, dass die Figur des Landsmannes Peter Davos eine gewichtige Rolle im Hörfunkstück einnahm. Das erklärte mal eben zwischendurch Bastian Pastewka. Wobei der skandinavische Akzent von Kai Magnus Sting eher ans Niederländische erinnerte. Kein Wunder, dass das Publikum vom Niederrhein schmunzelte.

Sting hatte noch eine weitere gewichtige Rolle. Zehn Minuten mimte er einen hängenden ermordeten Professor Reese. Hier und da zuckte die Leiche und grüßte. Toll dann auch das Ende, als Paul Temple im „Brazil“ bei einer Cocktail-Party den Mädchenmörder und den vieler Weiterer bekanntgab: Sir Gregory ist Edward Day.

Für heiteres Gelächter sorgte die letzte Szene. Butler Charles (Alexis Kara) erlegte Edward Day – also Sir Gregory. Und wer spielte den Mörder? Alexis Kara. Halt eine ganz besondere Personalunion.

Vielleicht heißt es ja irgendwann wieder in Emmerich: „Temple, wir haben einen neuen Fall“. „Ohne NSA, CSI und Bodensee-Tatort“, so Bastian Pastewka. Wäre schön, denn über mangelnde Nachfrage nach Karten konnten sich die Emmericher Kulturbetriebe nicht beklagen.