Messerwerfer: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung

In der Schwanenburg ging es am Mittwoch hitzig zu.
In der Schwanenburg ging es am Mittwoch hitzig zu.
Foto: WAZ FotoPool
Ein 35-jähriger Emmericher hatte am 5. August 2012 seinem Bruder im Streit ein Messer in den Rücken geworfen. Dafür bekam er nun im Landgericht Kleve eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Kleve/Emmerich..  Unverhofft entwickelte sich der finale Verhandlungstag im Messerwerfer-Prozess gegen einen 35-jährigen Emmericher zu einem fernsehreifen Bühnenstück. Der vor einer Woche schweigsame Bruder B. tauchte am Mittwochmorgen als Zeuge im kleinen Zivilgerichtssaal 102 der Klever Schwanenburg auf und stellte die Attacke seines Bruder C. aufgebracht und redselig anders dar. Der Vorsitzende Richter Norbert Scheyda und sein Schwurgericht hatten es nicht leicht, den hörbar aufgebrachten Zeugen im Zaum zu halten. Entschieden aber letztlich nachvollziehbar und eher milde auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Auch, weil der „versuchte Totschlag“ nicht zu erkennen gewesen sei. Der Staatsanwalt hatte für die nächtliche Attacke vom 5. August 2012 drei Jahre ohne Bewährung für den seit 1999 wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraften Angeklagten gefordert.

Dem brüderlichen Handschlag im Verhandlungsraum, bei dem sich Angeklagter und Geschädigter kaum eines Blickes würdigten, gingen 50 hektische Minuten voraus. Richter Scheyda musste mehrmals den Zeugen zur Ordnung rufen. Weil dessen Zunge davongaloppierte. Eine Vorgeschichte, etwa der von C. berichtete familieninterne Freundinnen-Streit aus dem Jahr 2010, hätte es nie gegeben. Mehrmals betitelte der 29-jährige Maurer dies als „Lüge“.

Dazu erklärte B., er hätte am betreffenden Abend im Schickeria-Klub in Emmerich ein Streit zwischen Bekannten schlichten wollen. Sein Bruder C. hätte da zunächst keine Rolle gespielt. Und betrunken, wie C. am ersten Verhandlungstag erklärt hatte, sei B. auch nicht gewesen.

„Erst als einer der Streitenden mir sagte, er würde meinen Bruder anrufen, ging es los“, schilderte B. den Tathergang der sommerlichen August-Nacht. „Mein Bruder kam mit dem Auto, hat mich, meine Tochter und meine Mutter beleidigt. Warum, weiß ich nicht. Er hat Steine geworfen und ist dann mit einer Stange oder einem Straßenschild hinter mir her“, so B. Der flüchtete. Was sich nahe des Bahnübergangs an der ‘s-Heerenberger Straße abgespielt haben soll.

Der ältere Bruder N. wollte dann schlichten, rief im Haus der Mutter an der ‘s-Heerenberger Straße zur Familienrunde. Doch offenbar wurde wieder beleidigt. C. soll mit Messer und der Eisenstange eines Staubsaugers kampfbereit bewaffnet gewesen sein. „Ich habe ihm gesagt, er soll die Sachen weglegen und vor die Tür kommen. Dann hätten wir das Problem wie Männer gelöst.“ Wie auch immer das ausgesehen hätte. „Ich bin die Treppe runter nach draußen, stand unten vor der Tür, als ich plötzlich einen stechenden Schmerz im Rücken spürte“, so B. Sein Bruder hatte aus dem Badezimmer-Fenster ein Messer geworfen, das in den Rücken traf. Hatte mindestens ein weiteres in der Hand. Der herbeigeeilte Bruder N. zog das Messer aus der Stichstelle, die um 6 Uhr früh im Willibrord-Spital ambulant mit zwölf Stichen genäht wurde.

Heckscheine splitterte

Die Tatwaffe landete auf der Kellertreppe. Der verletzte B. taumelte, schlug vor Schmerzen auf das parkende Auto von Bruder C. ein. Die Heckscheibe splitterte. Die gestern als Zeugin geladene Amtsgerichtsrichterin aus Emmerich bestätigte die Aussagen von B., den sie einst vernommen hatte.

„Mein Bruder ist in drei Jahren nicht auf die Idee gekommen, sich bei mir zu entschuldigen. Erst kurz vor der ersten Verhandlung rief sein Anwalt an“, erklärte B. tief enttäuscht. Den vorläufigen Schluss-Strich unter das Brüder-Duell zog gestern das Schwurgericht.