Messerwerfer vor Gericht – wegen versuchten Totschlags

Vor dem Landgericht Kleve muss sich ein Emmericher Messerwerfer verantworten.
Vor dem Landgericht Kleve muss sich ein Emmericher Messerwerfer verantworten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Fall liegt schon fast drei Jahre zurück. Doch jetzt muss sich ein Emmericher Kurde, der seinem Bruder ein Messer in den Rücken geworfen hatte, vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten.

Emmerich/Kleve..  Die Sommernacht vom 4. auf den 5. August 2012 endete an der ‘s-Heerenberger Straße blutig. Für einen Messerwurf in den Rücken seines Bruders B. musste sich am Mittwoch der 35-jährige Kurde C. vor dem Landgericht Kleve verantworten. Weil nicht (nur) gefährliche Körperverletzung vorgelegen haben soll, reichte das Amtsgericht Emmerich den Familienstreit an die 4. Strafkammer des Landgerichts Kleve in der Schwanenburg weiter. Die untersucht den fast drei Jahre alten Fall unter dem Verdacht des versuchten Totschlags.

Der aufgrund einiger Delikte vor 2006 vorbestrafte, dabei auch vier Monate als Gefängnisinsasse geführte Emmericher gab die Tat zwar zu. Versicherte allerdings dem Vorsitzenden Richter Norbert Scheyda mehr als einmal: „Ich wollte meinen Bruder nur erschrecken, ihn aber nicht verletzen.“ Womit er zumindest sein eisernes Schweigen zum Fall brach. Aber mit der Attacke auch billigend die brüderliche Verletzung in Kauf genommen hatte.

Besuch im Nachtklub

Ein gemeinsamer Besuch des ehemaligen Schickeria-Nachtklubs in Emmerich war Ursprung des Küchenmesserwurfs aus dem Flurfenster des Hauses, wo die Mutter und der 29-jährige arbeitssuchende Bruder wohnten. Einer von neun Geschwistern übrigens.

„Er hatte getrunken und im Klub die Leute angepöbelt. Ich habe ihn deshalb angemeckert“, schilderte C. Was wohl zur Beleidigung ausartete. Der Bruder zückte später, gegen 3 Uhr früh, auf der Straße offenbar ein Messer. Jagte C. dann an der Bahnstrecke nahe der Seufzerallee. Der wiederum griff sich eine herumliegende dünne Stange. „Ich wollte mich verteidigen. Deshalb ist mein Bruder dann davongerannt.“ Dieser flüchtete in seine Wohnung.

C. beriet sich nach eigener Aussage danach mit seinem älteren Bruder N. über die eskalierte Situation. Lösung: Beide fuhren morgens früh um 5 Uhr zum Haus der Mutter, um die Sache aus der Welt zu schaffen. „Als ich im Wohnzimmer war, kam mein Bruder aus seiner Wohnung mit einem Messer auf mich zugerannt. Ich bin in die Küche und habe mir dort zwei kleinere, biegsame Messer gegriffen.“ N. brachte B. zur Beruhigung aus dem Haus. Doch B. war zu aufgebracht, zerstörte, so erklärte C., mit dem Messer die Heckscheibe des Autos von C. Ebenso ein Seitenfenster. „Er hatte nur Ärger gemacht, ich war auf Hundertachzig. Da habe ich aus dem Hausflurfenster das Messer geworfen, um ihn zu erschrecken.“

Die Klinge landete im Rücken, prallte aber offenbar von dort ab und flog in den Kellerabgang. Die leicht blutverschmierte Tatwaffe stellte die Polizei sicher. Das Messer fand sich aber später nicht mehr in den Akten. „Da ist einiges schiefgelaufen“, stellte Richter Scheyda zähneknirschend fest.

B.’s Rückenwunde wurde im Spital genäht. Folge: vier Wochen Schmerzen. „Ich wollte ihn nicht verletzen, ist doch mein Bruder!“, beteuerte C., der den Schaden an seinem Auto selber trug.

Die Messerattacke hatte eine weitere Vorgeschichte. Schon 2010 war B. auf C. losgegangen. Die Freundinnen der Brüder wohnten damals zusammen. „Ein Kollege hat B. gesagt, ich würde etwas mit seiner Freundin haben. Was nicht stimmte“, erklärte C. Folge: B. wollte C. eine Whiskey-Flasche an den Kopf werfen. Was Umstehende zu verhindern wussten.

Übrigens: C.’s Brüder, also B. und N., verweigerten am Mittwochvormittag vor Gericht die Zeugenaussage. Beim Folgetermin nebst zu erwartendem Urteil am Mittwoch, 10. Juni, wird auch eine mit dem Fall einst befasste ehemalige Emmericher Amtsrichterin befragt werden.