Letzter Besuch aus Tschernobyl in Rees

Kegeln stand jetzt im Sport und Freizeitcenter auf dem Programm für die weißrussischen Kinder. Gastwirt Volker Kullmann (rechts) spendierte Currywurst mit Pommes und Eiscreme.
Kegeln stand jetzt im Sport und Freizeitcenter auf dem Programm für die weißrussischen Kinder. Gastwirt Volker Kullmann (rechts) spendierte Currywurst mit Pommes und Eiscreme.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Reeser Tschernobly-Hilfe löst sich auf. Für die letzten Gäste aus Weißrussland legten sich viele noch einmal richtig ins Zeug: Gasteltern, Gastwirte, die Stadt und viele Privatleute

Rees..  Die Luft war raus, Spenden kamen nur noch spärlich, Gasteltern ließen sich kaum noch finden. Zumindest letzteres scheint Schnee von gestern zu sein. Denn mit Begeisterung hat die neue Generation von Gasteltern die 19 Kinder aufgenommen. „Keine Familie, die nicht Sonderaktionen mit ihren jungen Gästen gemacht hat“, freut Ludger Zimmermann, den Vorsitzenden vom Reeser Verein Hilfe für Tschernobyl-Kinder. Dennoch wird es die letzte Aktion sein. Definitiv. Gestern stand noch einmal Schwimmen auf dem Programm. Am Mittwochabend waren die Kinder aus der Umgebung von Minsk Gäste beim Gastwirtspaar Annelie und Volker Kullmann.

Reeser Platte mit Currywurst

Dort gab es „Reeser Platte“, also Currywurst, Pommes, Majo. „Und als Nachtisch Fürst-Pückler-Eis“, so der Gastwirt, der zum 15ten Mal für die Kinder aus Weißrussland auftischte. Und dafür seine private Geldbörse geöffnet hatte. Wie so viele andere. Wie beispielsweise die Eltern der Vize-Vorsitzenden Vera Böhling, Rita und Wolfgang Skirde. Sie organisierten ein Grillfest, waren für Fahrdienste oft zur Stelle und brannten jetzt, wenige Tage vor der Heimfahrt der Gäste, ein kleines Feuerwerk – genehmigt, versteht sich - ab. „Einige Nachbarn haben meine Eltern spontan angerufen und ‚Frohes Neues Jahr‘ gewünscht“, sagt Vera Böhling schmunzelnd. Andere fuhren mit ihren Gästen privat in den Zoo oder die Anholter Schweiz.

Auch die Nachbarschaft vom Dahlienweg zeigte sich spendabel, nachdem sie mitbekommen hatten, dass Petra und Karl-Heinz Hornig zwei Kinder aufgenommen hatten. „Sie lieferten bei den Hornigs Rollerblades, Skateboards und Fahrräder ab, die Freitagmorgen in den Bus geladen werden.

Natürlich konnte sich auch das feste Programm wieder sehen lassen. Die Stadt Rees spendierte freien Eintritt im Freibad, ein Nachtwächterrundgang mit Bernd Schäfer und Eisgutscheine. Bei Bauer Alfred Rehm durften sich die Kinder an Erdbeeren satt essen, bei Hardy Baumann in Mehr Minigolf spielen, im Tonstudio Keusgen erhielt Katja Romanowa (16) gleich das Angebot von Chef Klaus-Dieter Keusgen, mit ihr eine CD aufzunehmen. Die erste Kostprobe ihres Könnens hat der Halderner schon gebrannt und Katja mitgeben.

„Rees ist eine schöne Stadt“, findet Katja. Sie mag den Rhein, lobt den Kölner Dom, den sie bei einem Ausflug kennengelernt hat, und hatte Spaß im Irrland-Park. Und natürlich an der Nordsee. „Brr, das Wasser war aber kalt“, sagt Jana (15).Die Gasteltern hatten die Kinder dorthin begleitet. Selbst Silvia und Tobias Kurbjuhn, mussten sie doch eigens mit dem Auto hinter dem Bus herfahren, da für ihren Sohn Klein-Leon (acht Monate) keine Sicherheitsgurte im Bus vorhanden waren. Gasttochter Arina (13) hielt Leon jetzt im Arm. „Eine tolle Babysitterin“, lobt die Mama von Leon. „Es war rundum gelungen“, sagt Ludger Zimmermann, der aktuell bereits Kinder der ersten Tschernobyl-Gäste begrüßen konnte. Und viele Freundschaften, weiß er, werden weiter gepflegt.