Lebenshilfe übte den Notfall – mit der Feuerwehr

Der Rauch hat sich gelichtet, jetzt geht es mit Feuerwehr-Hilfe raus aus dem Gebäude.
Der Rauch hat sich gelichtet, jetzt geht es mit Feuerwehr-Hilfe raus aus dem Gebäude.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Auch Menschen mit einer Behinderung sollten wissen, was im Notfall zu tun ist. Die Lebenshilfe übte in Emmerich mit der Feuerwehr. Im Flur hing dichter Rauch.

Emmerich..  Es gab Applaus. Als der mit Pressluftflasche, Helm und voller Schutzmontur ausgestattete erste Feuerwehrmann des Löschzuges Emmerich über die Fensterleiter in den ersten Stock des Aldegundisheimes geklettert war, klatschten die im Gemeinschaftsraum ausharrenden Besucher des Lebenshilfe-Freizeittreffs anerkennend in die Hände. Da schmunzelte auch der referierende Stadtbrandmeister Martin Bettray.

Die ernsthaft angelegte Notfallübung am frühen Abend bekam noch eine weitere persönliche Note. Später, als der dicke Rauch aus dem Hausflur per ohrenbetäubendem Luftüberdruck-Gebläse herausgepresst war und 20 Menschen mit Behinderungen vor die Eingangstür „geleitet“ worden waren, sagte Carola Polat den zehn Lebensrettern „merci“. In schokoladiger Herzchen-Form.

Die gelernte Erzieherin und Leiterin des Lebenshilfe-Freizeittreffs am Hottomannsdeich hatte bei Stadtbrandmeister Bettray eine Feuerwehr-Übung für ihre Schar verabredet. „Es ist wichtig zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Und wie gefährlich eine Situation werden kann“, unterstrichen Polat und Bettray beim abendlichen 45-Minuten-Durchgang unisono.

Grau ist schließlich alle Theorie, wenn es um eine Brandentwicklung im (eigenen) Haus geht. Das gilt für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen. So gesehen war’s goldrichtig und vor allem beeindruckend, mal eine massive Rauchentwicklung im Treppenhaus spürbar vorzuführen.

Im künstlich hergestellten Disco-Nebel betrug die Sicht kaum einen oder zwei Meter. Nicht auszudenken, wenn es dazu noch kräftig stinkt. Und einem binnen Sekunden der Sauerstoff auszugehen droht. Dann wird’s wirklich brandgefährlich.

Martin Bettray übte mit den Freizeitlern die Vorgehensweise im Notfall ein: „Ruhig bleiben, die Feuerwehr unter ,112’ anrufen, genau erzählen, was wo passiert ist und wie viele Menschen gerettet werden müssen! Gibt es außerhalb des Raumes eine Rauchentwicklung, immer die Türe fest schließen. Das sorgt über eine gewisse Zeit dafür, dass kein oder nur wenig Rauch eindringt. Dafür: Fenster auf, damit ein Feuerwehrmann über seine Leiter dort hinein kann.“

Während auf dem Flur schon der Feuermelder penetrant laut piepte, rief Bettray die Kollegen der Wache an. Acht Minuten dauerte es, dann fuhr der erste von zwei Wagen vor. Ohne Horn allerdings. War ja nur eine Übung. Ein mächtiges Überdruck-Gebläse am Eingang sorgte rasch dafür, dass der Rauch entwich. Dann war’s bis zur Schokolade nicht mehr weit. Bettray hatte nichts anderes erwartet: „Feuerchen sind ja schließlich mein Job!“

Übrigens:

400 bis 500 Menschen werden pro Jahr in Emmerich von der Feuerwehr per Übung „ausgebildet“ – von Firmen bis hin zu Vorschulgruppen.


Wer sich eine Übung ansehen mag, der ist am Freitag um 19 Uhr willkommen. Der Löschzug Emmerich testet an der Pastor-Breuer-Straße, jener aus Elten an der Europastraße.