Klinik statt Knast für Brandstifter aus Emmerich

Im Dachgeschoss des Hauses mit der Nummer 33 entzündete der Brandstifter das Feuer in seiner Wohnung.
Im Dachgeschoss des Hauses mit der Nummer 33 entzündete der Brandstifter das Feuer in seiner Wohnung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein 37-Jähriger hatte seine eigene Wohnung in Brand gesetzt. Im Zustand der Schuldunfähig, urteilte das Gericht. Der Emmericher kommt nun in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Emmerich/Kleve.. Dr. Jack Kreutz fand bei seinem psychologischen Gutachten deutliche Worte. „Bleibt die Psychose des Angeklagten unbehandelt, ist er eine Gefahr für die Öffentlichkeit“, so der Gutachter. Dass er aus Angst um sein Leben möglicherweise wieder zum Äußersten greift, sei sehr wahrscheinlich. Dass dabei Menschen zu Schaden kommen ebenfalls. Daher folgte das Gericht dem Rat des Experten. Und verurteilte den Emmericher nach Paragraf 63 des Strafgesetzbuches. Sprich: Der 37-Jährige wird in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Waffe verloren

Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Zustand der Schuldunfähigkeit – bedingt durch eine Psychose – seine eigene Wohnung im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses an der Van-Gülpen-Straße in Emmerich in den frühen Morgenstunden des 7. Januars 2015 angezündet hatte. Zum Glück kamen dabei die Hausbewohner nicht zu Schaden. Der Angeklagte selbst entkam über das Dach, stellte sich aber später den Polizeibeamten.

Diese sagten auch am Montag noch einmal vor Gericht aus. Der 37-Jährige hatte damals einen völlig verwirrten Eindruck auf sie gemacht, gab die Polizeibeamtin in ihrer Vernehmung an. Er fuchtelte immerzu aufgeregt mit seinen Händen, stand „unter Strom“ und sprach nur abgehakte Sätze. Ein Test machte auch schnell deutlich, dass der Angeklagte damals unter dem Einfluss von Drogen stand. Schwerwiegender aber: die Psychose. Er hörte Stimmen, litt an Verfolgungswahn. So auch am Tattag. Um sich vor seinen angeblichen Verfolgern zu schützen, verbarrikadierte er sich regelrecht in seiner Wohnung. Er riegelte die Tür ab. Schob eine Kommode davor. Und bastelte zwei Brandsätze. Diese entzündete er direkt vor der Wohnungstür. „Dort war ganz klar der Brandherd“, berichtete auch ein Sachverständiger am Montag vor Gericht. Bevor er die Wohnung verließ, feuerte der Angeklagte noch vier warnende Schüsse in Richtung Tür mit seiner Gaspistole ab. Diese wurde später von der Emmericher Feuerwehr gefunden. Bei seiner Flucht über die Hausdächer hatte der 37-Jährige die Pistole verloren. Munition und auch zwei Feuerzeuge fanden Polizeibeamte aber später in seinen Hosen- und Jackentaschen.

Feuerwehr verhinderte Schlimmeres

Wie der Sachverständige für Brände erklärte, deckten sich die Schilderungen des Angeklagten zum Wohnungsbrand mit dem, was er dort vorgefunden hätte. Vollständig sei das Dachgeschoss abgebrannt gewesen. Vom Gebälk sei nicht mehr viel übrig gewesen. Man konnte den Himmel sehen. „Glücklicherweise konnte die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf die angrenzenden Häuser verhindern“, erklärte der Sachverständige. Drei Stunden musste das Feuer gelöscht werden, bis es endlich im Griff gewesen sei. Den entstandenen Schaden hatte der Vermieter in seiner Befragung in der vergangenen Woche mit rund 100 000 Euro beziffert.

Dass der Angeklagte vielleicht aus Ärger über den Vermieter aufgrund einiger Missstände in der Wohnung den Brand gelegt hatte, schloss Dr. Jack Kreutz auf Nachfrage des Richters aus. „Ich fackel das Haus ab“, hatte der Angeklagte mehrfach zu Nachbarn gesagt. „Er wollte damit nur einen wohl plausibleren Grund für seine Handlung schaffen und nicht direkt sagen, dass er dies eventuell machen würde, um seine Verfolger abzuwehren.“ Der Gutachter verwies noch einmal darauf, dass für den Angeklagten zum Tatzeitpunkt kein Zweifel daran bestand, dass das, was er fühlte und hörte, real sei. Auch wenn es tatsächlich nicht so war. Das alles waren Folgen seiner Psychose. Doch diese sei, so Kreutz, gut behandelbar. Auch wenn es Jahre dauere.

Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung plädierten daher beide für eine Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus. Das Gericht folgte ihnen.