Klever schlug in Emmerich Wurzeln

Edmund Verbeet zog kurz vor seiner Pensionierung im Gespräch mit der NRZ Bilanz.
Edmund Verbeet zog kurz vor seiner Pensionierung im Gespräch mit der NRZ Bilanz.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Edmund Verbeet leitete 24 Jahre dort das Amtsgericht. Zu den zwei Städten sagt er: „Ein Wir-Gefühl ist nicht vorhanden, der Blick fürs Ganze ist nicht da“.

Emmerich..  Seit fast 25 Jahren verkörpert er das Gesetz in der Rheinstadt. Am 27. Februar hat er seinen letzten Tag in Justitias Diensten: Edmund Verbeet (65) geht in Pension, Einspruch ist nicht mehr möglich. Gut möglich indes, dass er mit der Fiets von Rindern nach Emmerich pendelt. Ein Klever, der es so lange in Emmerich ausgehalten hat, und zwar gerne, wie er versichert, das ist vielleicht kein Kuriosum, aber doch ein Beispiel für einen gelungenen Brückenschlag. Er war ein Amtsgerichtsdirektor modernen Zuschnitts, der Wert auf gutes Betriebsklima und Teamwork legte und die schönen Künste in den über 100 Jahre alten Tempel der Gerechtigkeit holte.

Mit offenen Armen empfangen

Das Amtsgericht liegt zwar an der Seufzerallee, aber es ist nicht überliefert, dass seine Mitarbeiter, ob Richterkollegen, Rechtspfleger, Betreuer, Gerichtsvollzieherinnen oder Bürokräfte, unter seinem Direktorat geseufzt hätten, seit er im August 1990 den Sprung über den Rhein wagte und die Nachfolge von Günter Tenhagen antrat. „Ich bin als Klever mit offenen Armen empfangen worden, es gab keine Vorbehalte“, erinnert sich Verbeet: „An meinem ersten Tag durfte ich gleich einen Beamten befördern!“

Verbeet war in Emmerich stark verwurzelt. Der Grenzgänger engagierte sich bei Liemers und Rotariern und ließ sich auf den Vorsitz des PAN-Fördervereins ein. Er hat diesen Ausflug zwar nicht bereut, ging aber angesichts eines zerstörerischen Familienstreits eher frustriert von Bord. In Rindern engagierte er sich vermittelnd in der ebenfalls nicht ganz streitfreien „Sterbekasse“ (wie berichtet).

Verbeet blickt auf die Berufsjahre zurück: „Es war eine lange Zeit, aber die 24 Jahre sind schnell verstrichen“. Es habe sich viel verändert. „Als ich hier anfang, hing kein Bild in den Fluren, keine Blumen, die Beleuchtung ließ zu wünschen übrig. Alles wirkte preußisch und etwas deprimierend.“ Aber die Mitarbeiter waren in guter Stimmung. Immerhin. Darauf ließ sich aufbauen. So gelang es Verbeet, dem imposanten, den Geist der Wilhelminischen Ära atmenden Bau, der ganz bewusst einschüchtern und die Sünder noch kleiner machen sollte, wenn sie die mächtige Treppe hinauf zur Verhandlung und nach dem Urteil bedröppelt die Stufen wieder hinunter gingen, etwas von seinem Schrecken zu nehmen und die dritte Gewalt offener und bunter erscheinen zu lassen. Er hat 26 Kunstausstellungen organisiert, „mehr als ich Dienstjahre habe“.

Auch in den Büros sieht es heute anders aus. Die zentral aufgestellte Speicherschreibmaschine Alphatext , die einen Höllenlärm entfachte, so dass einige gesprochene Urteile im Krach untergegangen sein dürften, ist längst ausrangiert.

Auch die Zentralkanzlei, in der einst sechs Frauen fleißig tippten, schloss ihre Pforten, als „Kollege Computer“ mit Macht nach vorne drängte und Personal auf Dauer verdrängte.

Kaum einer kennt die Mentalität von Klevern und Emmerichern so gut wie Verbeet. Die Emmericher seien etwas offener. Über seine Heimatstadt fällt er, bei aller Liebe, nicht nur schmeichelhafte Urteile: „Die Klever haben nach wie vor eine Eigenart, die ich Klever Hybris nenne, eine Geringschätzung dessen, was in Emmerich passiert.“ Aber auch die Emmericher guckten nicht so gerne nach Kleve. „Ein Wir-Gefühl ist nach wie vor nicht vorhanden, der Blick fürs Ganze ist nicht da“, lautet sein Fazit 40 Jahre nach der Kommunalen Neuordnung.

Edmund Verbeet freut sich auf den Ruhestand, vor allem auf seinen großen Garten in Rindern und auf Mußestunden mit Buch unterm Nussbaum: „Wenn man so lange seine Pflicht getan hat, hat man auch das Recht zu sagen: So, jetzt sollen es andere machen.“ Verbeet will seine drei Kinder und fünf Enkel in Frankfurt am Main, Hamburg und Genf besuchen: auf dem Rad! Wer künftig in der Hansestadt am großen Rad der Gerechtigkeit dreht, ist noch nicht bekannt.