Klever schlug in Emmerich Wurzeln

Edmund Verbeet prägte 24 Jahre das Gesicht der Justiz in Emmerich. Ende Februar geht der 65-Jährige dann in Pension.
Edmund Verbeet prägte 24 Jahre das Gesicht der Justiz in Emmerich. Ende Februar geht der 65-Jährige dann in Pension.
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Was wir bereits wissen
Edmund Verbeet leitete 24 Jahre das Amtsgericht Emmerich. Ein gutes Arbeitsklima, Teamwork und die schönen Künste lagen dem Richter besonders am Herzen.

Emmerich..  Seit fast 25 Jahren verkörpert er das Gesetz in der Rheinstadt. Am 27. Februar hat er seinen letzten Tag in Justitias Diensten: Edmund Verbeet (65) geht in Pension, Einspruch ist nicht mehr möglich. Gut möglich indes, dass er mit der Fiets von Rindern nach Emmerich pendelt. Ein Klever, der es so lange in Emmerich ausgehalten hat, und zwar gerne, wie er versichert, das ist vielleicht kein Kuriosum, aber doch ein Beispiel für einen gelungenen Brückenschlag. Er war ein Amtsgerichtsdirektor modernen Zuschnitts, der wert auf gutes Betriebsklima und Teamwork legte und die schönen Künste in den über 100 Jahre alten Tempel der Gerechtigkeit holte.

Mit offenen Armen empfangen

Das Amtsgericht liegt zwar an der Seufzerallee, aber es ist nicht überliefert, dass seine Mitarbeiter, ob Richterkollegen, Rechtspfleger, Betreuer, Gerichtsvollzieherinnen oder Bürokräfte, unter seinem Direktorat geseufzt hätten, seit er im August 1990 den Sprung über den Rhein wagte und die Nachfolge von Günter Tenhagen antrat. „Ich bin als Klever mit offenen Armen empfangen worden, es gab keine Vorbehalte“, erinnert sich Verbeet: „An meinem ersten Tag durfte ich gleich einen Beamten befördern!“

Verbeet war in Emmerich stark verwurzelt. Der Grenzgänger engagierte sich bei Liemers und Rotariern und ließ sich auf den Vorsitz des PAN-Fördervereins ein. Er hat diesen Ausflug zwar nicht bereut, ging aber angesichts eines zerstörerischen Familienstreits eher frustriert von Bord.

„Es war eine lange Zeit, aber die 24 Jahre sind schnell verstrichen“, blickt Verbeet zurück. Die Jahre mögen auch deshalb wie im Fluge vergangen sein, weil immer etwas los war und weil Verbeet was losmachte. Es hat sich viel verändert. „Als ich hier anfang, hing kein Bild in den Fluren, keine Blumen, die Beleuchtung ließ zu wünschen übrig. Alles wirkte preußisch und etwas deprimierend.“ Aber die Mitarbeiter waren in guter Stimmung. Immerhin. Darauf ließ sich aufbauen. So gelang es Verbeet, dem imposanten, den Geist der Wilhelminischen Ära atmenden Bau, der ganz bewusst einschüchtern und die Sünder noch kleiner machen sollte, wenn sie die mächtige Treppe hinauf zur Verhandlung und nach dem Urteil bedröppelt die Stufen wieder hinunter gingen, etwas von seinem Schrecken zu nehmen und die dritte Gewalt offener und bunter erscheinen zu lassen. Er hat 26 Kunstausstellungen organisiert, „mehr als ich Dienstjahre habe“.

Auch in den Büros sieht es heute anders aus. Die zentral aufgestellte Speicherschreibmaschine Alphatext , die einen Höllenlärm entfachte, so dass einige gesprochene Urteile im Krach untergegangen sein dürften, ist längst ausrangiert. Auch die Zentralkanzlei, in der einst sechs Frauen fleißig tippten, schloss ihre Pforten, als „Kollege Computer“ mit Macht nach vorne drängte und Personal auf Dauer verdrängte.

Kaum einer kennt die Mentalität von Emmerichern und Klevern so gut wie Verbeet. Die Emmericher seien etwas offener. Über seine Heimatstadt fällt er, bei aller Liebe, nicht nur schmeichelhafte Urteile: „Die Klever haben nach wie vor eine Eigenart, die ich Klever Hybris nenne, eine Geringschätzung dessen, was in Emmerich passiert.“ Aber auch die Emmericher guckten nicht so gerne nach Kleve. „Ein Wir-Gefühl ist nach wie vor nicht vorhanden, der Blick fürs Ganze ist nicht da“, lautet sein Fazit 40 Jahre nach der Kommunalen Neuordnung.

Edmund Verbeet freut sich auf den Ruhestand, vor allem auf seinen großen Garten und auf Mußestunden mit Buch unterm Nussbaum: „Wenn man so lange seine Pflicht getan hat, hat man auch das Recht zu sagen: So, jetzt sollen es andere machen.“ Wer künftig in der Hansestadt am großen Rad der Gerechtigkeit dreht, ist noch nicht bekannt. Verbeet hat anderes vor. Er will seine drei Kinder und fünf Enkel in Frankfurt/M., Hamburg und Genf besuchen: auf dem Rad!

Zur Person: Edmund Verbeet (65) wurde in Kleve geboren. Am Altsprachlichen Gymnasium machte er sein Abitur und studierte in Köln Jura. Seine Referendarszeit absolvierte er in Duisburg, Kleve und Düsseldorf.

Nach dem 2. Staatsexamen war er zunächst Proberichter am Landgericht Kleve dann Richter. Nach dem sog. 3. Staatsexamen am Oberlandesgericht Düsseldorf kehrte er aus familiären Gründen in die Schwanenstadt zurück, war zuerst stellv. Direktor des Amtsgerichts Kleve, ehe er im Sommer 1990 zum Chef des Emmericher Amtsgerichts befördert wurde.