Klares Votum für Sigmund

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Emmerich..  Erst zum zweiten Mal in ihrer 21-jährigen Geschichte hat die Bürgergemeinschaft Emmerich (BGE) nach 1999 (Anneliese Arntz) wieder einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten aufgestellt: Joachim Sigmund (58), seit drei Jahren BGE-Mitglied und seit Mai 2014 im Rat, erhielt auf der Mitgliederversammlung im Türmchen der Michaelschützen 18 von 24 Stimmen. Es gab fünf Enthaltungen, eine Stimme war ungültig. Sollte es am 13. September nicht klappen mit der Wahl, würde der Berufssoldat mit Überschreiten der besonderen Altersgrenze zum 31. Juli 2016 in den Ruhestand versetzt.

Mobbing wird nicht geduldet

In seiner rund halbstündigen Bewerbungsrede hatte der Diplom-Verwaltungswirt dargelegt, warum nur die BGE für ihn in Frage kam, als er sich Ende 2011 entschied, seine beruflichen Kenntnisse und menschlichen Erfahrungen in den Dienst seiner Wahlheimat (seit 2000) zu stellen, „weil die BGE programmatisch für eine bürgernahe, transparente und nachhaltige Kommunalpolitik ohne Parteienbrille und Fraktionszwang eintritt“. Die Bürger hätten die Nase voll von schönen Worten und Versprechungen. Er stehe für einen lebendigen Kurswechsel: „Mit mir werden Sie Taten sehen. Ich werde die offenen Baustellen anpacken und abarbeiten.“ Er setze sich für den Dialog mit allen ein, wolle ausgetretene Pfade verlassen und die „Politik nach Gutsherrenart“ im Rathaus beenden. Da sei durch den Bürgermeister in den letzten beiden Jahren einiges an Porzellan zerschlagen worden. Er wolle einen neuen Stil einführen: „Mobbing und Drohungen gegenüber Mitarbeitern im Rathaus werde ich nicht dulden.“

Noch eine Spur härter hatte zuvor Gerd Bartels, der auf seinem Posten als Vorsitzender einstimmig bestätigt wurde, den amtierenden Bürgermeister Johannes Diks (CDU) rangenommen. Es habe zwar einen bunten Strauß an Ideen gegeben, doch selten seien Projekte zu Ende gebracht worden. Wenn man mit Ideen an die Öffentlichkeit trete, müsse „mehr Fleisch an die Knochen“. Dann listete Bartels genüsslich auf: Baumkronenpfad, Seilbahn auf dem Eltenberg, Kneipp-Kurort, Döner-Fabrik, Eislaufbahn an der Fulkskuhle. Auch das Hotel im alten Wasserzoll sei ein „Rohrkrepierer“, der Besitzer wolle das Objekt wieder verkaufen. Der für eine Million Euro umgestaltete Rheinpark würde allenfalls von jungen Familien frequentiert und das PAN „künstlich am Leben“ erhalten. Die Rheinpromenade sei eher auf Diks’ Vorgänger Boch zurückzuführen, Diks habe die fertige Planung nur übernommen. Bei CDU und SPD vermisse er „strategischen Weitblick“, verhielten sich allzu „betulich“. Schade sei, dass gute Ideen wie Frank Kühns Biergarten im Rheinpark von CDU und SPD abgeschmettert würden. Die Stadt benötige einen hauptamtlichen Wirtschaftsförderer und keinen in Teilzeit: „Das geht nicht freitags von 14 bis 18 Uhr.“ Weil das Einzelhandelskonzept eine „Handschelle“ sei, die nur bremse und Fortschritt verhindere, müsse man die Innenstadt neu definieren und auf Mennoniten- und Hafenstraße ausdehnen.