Kinder brachten am Bahnsteig ein Ständchen

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Emmerich..  Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der am Samstag im Alter von 94 Jahren gestorben ist, war zweimal in Emmerich: als Bundespräsident und Gastredner.

Auf der Durchreise zu einem Staatsbesuch in den Niederlanden hielt der Zug mit dem Bundespräsidenten am 30. Mai 1985 im Emmericher Bahnhof. Das war nur wenige Wochen nach der historischen Rede zum 8. Mai 1945 im Bundestag, als das Staatsoberhaupt die berühmte Feststellung traf: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung“ und am Schluss an alle appellierte: „Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut es geht, der Wahrheit ins Auge“. Der damalige Rektor der Martini-Grundschule, Ernst Müller, hatte - wie die NRZ - Wind von dem Halt mit dem Promi bekommen. Also marschierten die Schüler zum Bahnsteig und warteten ab, was passiert. Und tatsächlich: Der populäre Erste Bürger des Staates stieg, vermutlich zum Leidwesen seiner Leibwächter, aus dem haltenden Zug aus und unterhielt sich kurz mit den jungen Emmerichern, die ein Ständchen auf den hohen Gast darbrachten und diesen Moment sicher nicht vergessen haben dürften.

Den meisten Beifall

15 Jahre später, im Juni 2000, nach der Wiedervereinigung und dem Ende des Kalten Krieges, sprach Richard von Weizsäcker als hoch geachteter „Elder Statesman“ beim 24. Sparkassen-Forum im Stadttheater. Der Vortrag über „Chancen und Herausforderungen im neuen Europa“ dauerte rund 50 Minuten. Das geeinte Europa, so lautete sein flammendes Plädoyer, müsse mit einer Stimme sprechen, um die neuen globalen Probleme wie Ökologie, Wasserknappheit und Hunger zu meistern: „Sonst können wir vor den nachfolgenden Generationen nicht bestehen.“ Weitsichtige Worte.

Noch nie habe eine Redner so viel Beifall bekommen, meinte zufrieden der damalige Sparkassenchef und Gastgeber Johannes Welmans, worauf Richard von Weizsäcker eine Kostprobe seiner Schlagfertigkeit und Fähigkeit zur Selbstironie zum Besten gab: „Das lag daran, weil alle ihre früheren Redner jünger waren.“ Könnte gestimmt haben.