Kein Entgegenkommen für Bordell-Chefin

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Elten/Kleve..  Einen gehörigen Dämpfer verpasste die Staatsanwaltschaft der Angeklagten, der früheren Bordell-Chefin des Casa Rossa in Elten, gleich zu Beginn des Prozesses. Sie lehnte den Einigungsvorschlag ab, den die Wirtschaftsstrafkammer des Klever Landgerichts Ende Januar gemacht hatte, um das Verfahren gegen Marion B. nicht weiter in die Länge zu ziehen. Was das bedeutet hätte? Im Falle einer Einigung wäre die Angeklagte mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davonkommen, hätte also keine Gefängniszelle von innen sehen müssen.

Verteidiger irritiert

„Wir lehnen den Vorschlag aus Gründen der Prozessökonomie ab“, begründete Staatsanwalt Hendrik Timmer am gestrigen dritten Verhandlungstag auf der Schwanenburg. Die Beweisführung sei im Wesentlichen abgeschlossen, die Anklage im zweiten Fall eröffnet. Zudem habe der letzte Prozesstag ein Bild der Angeklagten gezeigt, dass die Staatsanwaltschaft inzwischen wenig Veranlassung sehe, der Angeklagten entgegenzukommen.

Was seitens der Verteidigung natürlich nicht unwidersprochen blieb. „Unser Eindruck ist, dass die Beweisführung eher ein Bild zugunsten der Verteidigung offenbart hat“, so Verteidiger Klaus Warthuysen. Rechtsanwalt Warthuysen zeigte sich äußerst irritiert darüber, dass die Einigung nicht akzeptiert worden war, zumal es eine ähnliche Initiative seitens der Staatsanwaltschaft bereits im Ermittlungsverfahren gegeben hatte. „Da sah die Sache aber noch ganz anders aus, weit weniger gravierend“, so Timmer. „Darüber ist das letzten Wort noch nicht gesprochen“, zeigte sich Warthuysen in der Sitzungspause überzeugt.

In der Hauptverhandlung geht es um den immensen Schaden in Höhe von 2,588 Millionen Euro. Die heute 64 Jahre alte Angeklagte soll zwischen Mai 2002 und Dezember 2008 Sozialabgaben sowie Lohn-, Umsatz-, Gewerbe- und Einkommenssteuer nicht richtig angegeben oder erst gar nicht abgeführt haben.

Daneben ist ein zweites Verfahren für die Jahre 2009 und 2010 anhängig. Letzteres könne, so schlug der Vorsitzende Richter Christian Henckel gestern vor, in das Hauptverfahren einbezogen werden.

Erst Beweisanträge sichten

Staatsanwaltschaft und Verteidigung signalisierten, dass sie sich dies durchaus vorstellen könnten. Eine Entscheidung darüber fiel gestern aber nicht. Noch nicht. Richter Henckel wollte zunächst die von der Verteidigung angekündigten umfangreichen entlastenden Beweisanträge sichten.
Der nächster Prozesstag vor dem Klever Landgericht ist am Freitag, 27. Februar, ab 9 Uhr.