Kauf des Kolpinghauses treibt Spiertz um

Emmerich..  Mit 17 Fragen hatte André Spiertz (BGE) die Verwaltung in einer Ausschuss-Sitzung am 20. Januar gelöchert. Die Antworten hat er inzwischen vom Bürgermeister schriftlich bekommen. In der Ratssitzung am Dienstag legte der BGE-Mann nach. Diesmal wurde noch klarer, was es mit dem ersten Fragenkatalog auf sich hatte.

Auch wenn die Stadt „nie etwas anderes behauptet hat“, so Bürgermeister Johannes Diks, so wird jetzt erst klar, dass die Stadt nicht den ganzen ehemaligen Kolping-Komplex zum Bau eines Flüchtlingsheimes gekauft hat, sondern nur das hintere Gebäude.

Stutzig macht Spiertz, dass 2007 beim Verkauf beider Gebäude 250 000 Euro über den Tisch gingen und die Stadt nun für ein Gebäude allein 230 000 Euro aufbringt. Zu teuer verkauft? Nein, bekräftigt Diks: „Wir meinen, es war ein günstiger Preis.“

Hätte die Stadt Wohnungen für 30 Flüchtlinge, die künftig an der Oel-straße Raum finden, woanders angemietet, würde das eine höhere Summe X kosten. Dieser Wert plus Einnahmen eines Verkaufes der Immobilie, wenn sie irgendwann für Flüchtlinge nicht mehr gebraucht würde, wäre, so hat’s die Verwaltung errechnen lassen, wohl teurer. Die Stadt, so Diks, habe per Dringlichkeitsbeschluss schnell handeln müssen, „weil sonst jemand dazwischen gegrätscht wäre“. Es sei eine günstige Gelegenheit gewesen.

Der Ratsherr trug länger vor, als jede Haushaltsrede an dem Tag dauerte. Bürgermeister Diks bewahrte in der Sitzung Contenance. Er hätte Spiertz längst unterbrechen können, da dieser zum öffentlichen Tagesordnungspunkt „Bau eines Asylbewerberheimes“ Fragen stellte, die eigentlich zu einem nicht-öffentlichen Tagesordnungspunkt gehörten.

So wäre wahrscheinlich auch nie öffentlich geworden, dass der Eigentümer des gekauften Gebäudes insolvent ist und die Stadt mit der Gläubigerbank verhandeln musste.

Außerdem hat Spiertz erhebliche Zweifel, was die Bausubstanz des Gebäudes angeht. Angepeilte Sanierungskosten von 5000 Euro hält er „für einen schlechten Scherz“.