„Kartenlos durch die Nacht“

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Haldern..  In asiatischer Kluft wanderte Sitzungspräsident Bernd Börgers zum Auftakt der Karnevalssitzung durch die Reihen, um die 400 Gäste in dem ausverkauften Saal Tepferdt mit besonderem „Sprachakzent“ zu begrüßen – inspiriert von seinem Tokio-Marathon im vergangenen Jahr, der ihm die Abwesenheit vom Karneval beschert hatte. Nach erfolgtem Einmarsch musste sich der dann wieder „normal“ gekleidete Borgers erstmal für den dezimierten Elferrat entschuldigen. „Die Grippewelle hat halt zugeschlagen – und ich hab’s auch ein bisschen anne Bronchien.“ Dafür erntete Börgers ein mitleidiges „Ohhh“. „Männer sind halt wehleidig“, gestand er ein.

Vor dem Einzug des Prinzenpaares eröffnete „Hoppeditz“ Anna Stappert dann in souverän-reimender Manier die Sitzung. „Menschenkind bedenke: Dein größter Feind ist der Alkohol. Doch selbst in der Bibel steht geschrieben: Du sollst Deine Feinde lieben“, erhob sie die Flasche zum kollektiven Anstoßen im Saal. Von Börgers inspiriert, zog dann auch der Bundesschützenspielmannszug Haldern vor dem Prinzenpaar Wilhelm VI. „vom Dustenhof zu Heeren“ und Regina I. „von Kegel und Stammtisch“ in gelb-japanischer Kleidung auf die Bühne. Wilhelm gestand, dass er seit der Proklamation kein „Sommermärchen“, sondern ein „Prinzenmärchen“ erlebt und sich alles verändert habe. „Fehlt dem Bauer seinen Traktor, wird er zum Gefahrenfaktor“, wurde dem Gladbach-Fan von Börgers der entsprechende Schal umgehängt.

Über Tepferdt: „Hugo sein Bier“

Die Jungen Funken sorgten mit ihrer Darbietung für den Einstieg in ein buntes Programm, was Börgers zu dem prägenden Ausruf des Abends „Das war spitze“ und einem Aufruf zur ersten Rakete veranlasste. Später folgten weitere tolle Tänze wie von der Tanzgruppe Burlesk (siehe Foto im Großformat hinter den Sportseiten) im schwarzen sexy „Moulin Rouge“-Outfit, den dynamischen Golden Girls zu Helene Fischers „Atemlos“ oder dem Männerballett der Feuerwehr mit einem Medley aus Filmhits. Den optisch mit schönsten Auftritt legten die Kinder des Regenbogen-Kindergartens hin, als sie mit flackernden Neonröhren zu Queens „We Will Rock You“ auf die Bühne kamen.

Die Büttenrednern boten reichlich Lokalkolorit – ob nun durch Lindendorfreporter und Großbäcker Michael Jansen. Oder das Duo Klaus Stamm und Ulli Uebing mit ihren Dorfgeschichten über Urlaubsreisegruppen.

Den feinsinnigsten Beitrag lieferte Michael Höfer, der im Nachtgewand von den Problemen seines Lebens klagte („Ich hab’s schon nicht leicht“). Schwer hatte es dagegen Heiner Neuhaus, dessen Vortrag von seinem Leben als „Neu-Halderner mit Migrationshintergrund“ von der anderen Rheinseite ein wenig unter seiner Nervosität litt. Die originellste Nummer des Abends lieferten die Nachbarn und Freunde des Prinzenpaares als Kühe mit Plastik-Kuhkarussell auf dem Dustenhof.

Den musikalischen Vogel schossen die Disharmoniker ab. In Gedenken an den (irgendwann) scheidenden Wirt Hugo Tepferd intonierten sie in Anlehnung an Udo Jürgens „Griechische Wein“ die Melodie „Hugo sein Bier“. Und sie nahmen den überlasteten Online-Ticketverkauf des Haldern Pop mit „Kartenlos“ (nochmal Fischers „Atemlos“) aufs Korn.