Kanada brachte Emmerichs Nachbarn Frieden und Freiheit

Sehr viele Schulkinder waren am Mittwochmittag bei der Zeremonie in ‘s-Heerenberg dabei.
Sehr viele Schulkinder waren am Mittwochmittag bei der Zeremonie in ‘s-Heerenberg dabei.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Emmerichs niederländische Nachbargemeinde ‘s-Heerenberg erinnerte mit einer Zeremonie am Marktplatz an den 70. Jahrestag der Befreiung von den deutschen Besatzern.

‘s-Heerenberg..  Der „Chattanooga Cho Cho“ dampfte gestern Mittag akustisch mitten durch die Lautsprecher am Marktplatz von ‘s-Heerenberg. Den Swing über eine Eisenross-Zugfahrt von New York City in den besungenen Ort im US-Bundesstaat Tennessee vertonte die Glenn Miller Band im Mai 1941. Also mitten im 2. Weltkrieg. Und sorgte so für ein heiteres Radiostück, das jene dunkle Zeit für einige Minuten erhellte. Zumindest für jene, die im Deutschen Reich damals heimlich und (todes)strafbar ausländischen Sendern lauschten.

Der „Cho Cho“ passte am Mittwochmittag perfekt zu einem historischen Tag. Genau vor 70 Jahren wurde Emmerichs niederländische Nachbargemeinde ‘s-Heerenberg von den deutschen Besatzern befreit. Eine Zeremonie am Monument der Molen-straat nebst Dudelsackklängen und Trompetensolo lockte gut 2500 Besucher in den kleinen Ort.

Die Kanadier waren auch vertreten. Natürlich. Schließlich sorgte die 9. Artillerie-Brigade am 1. April 1945 dafür, dass die Niederländer nach fünf Jahren nationalsozialistischer Herrschaft und einem fürchterlichen Hunger-Winter 1944/45 ihre Freiheit zurück erlangten.

Historische Karawane

Rund hundert historisch oliv lackierte Autos, Lastkraftwagen und kleine Panzer aus den damaligen Kriegszeiten schlängelten sich vom Emmerikseweg über Marktstraat und Molenstraat durch den Ort der Gemeinde Montferland. Hauswandflaggen im niederländischen Rot, Weiß und Blau sowie im kanadischen Rot-Weiß-Rot mit Ahornblatt trotzten tapfer den böigen Nachwehen des Orkans „Niklas“.

Ernie Stewart ließ sich vom kalten Nass nicht beirren. Der kanadische Soldat in schmuck dekorierter dunkelgrüner Ausgehuniform verteilte eifrig kleine Buttons mit der Ahorn-Fahne drauf. Wie auch seine sieben Kollegen vom 7. Toronto Regiment. Beklatscht und bejubelt von den Zuschauern.

„Es ist ein tolles Gefühl, hier so viel Herzlichkeit der Menschen zu erleben. Mein Großvater war damals in den Niederlanden dabei und hat mitgeholfen, die Besatzer zu vertreiben“, sagte der 42-Jährige. Mit Stolz in der Stimme.

Navy-Bus in mattem Blau

Der Nordamerikaner kennt Fakten und Bilder, wie die meisten Besucher auf den Straßen, nur aus Filmen oder Büchern: „Wir dürfen nicht vergessen, was hier passiert ist. Das gilt gerade für alle, die damals noch nicht gelebt haben.“ Also für die klare Mehrheit.

Auch aus diesem guten Grund legten Soldaten sowie Bürgermeisterin Ina Leppink-Schuitema gemeinsam mit Schulkindern vier Gedenkkränze am Ehrenmal nieder. Eine Steintafel an der alten Kanone erinnert an 24 gefallene Soldaten aus Kanada, den USA, Neuseeland und Großbritannien.

Die historischen Fahrzeuge, darunter ein alter US-Navy-Bus in ganz mattem Blau, stellte die niederländische Vereinigung „Keep Them Rolling" mit Organisationsleiter Rob van’t Oost vornweg bereit. Vor allem die Schulkindern staunten. Testeten die beengten Sitze manch eines Lasters. Putzten keck mit den Händen Dreck von Panzerketten. Und stießen sich am knallharten Stahloliv der Fahrzeuge die Knie.

Die Tagesbotschaft am Bühnenmikrofon kam vor der Gedenkminute an die Befreiung denn auch aus Kindermündern. In Niederländisch und Englisch: „Freiheit und Frieden sind ein hohes Gut, das für Hass keinen Platz lässt.“

Übrigens: Noch bis zum Sonntag nach Ostern rollen noch die Kriegsfahrzeuge der niederländischen Vereinigung „Keep them rolling“ (Internet: www.ktr.nl) zur Erinnerung an die Befreiung des Nachbarlandes vor 70 Jahren. Es geht für Fahrzeuge und Besatzung noch bis nach Groningen. Die 16-tägige Fahrt läuft unter dem Motto „The Final Push“.