Jedes Motorrad ist ein Kunstwerk

Michael Naumann baut Custombikes, wie dieses Motorrad aus dem Jahr 1942. Jetzt hat er seinen Betrieb nach Schermbeck ins Bike-House verlegt.
Michael Naumann baut Custombikes, wie dieses Motorrad aus dem Jahr 1942. Jetzt hat er seinen Betrieb nach Schermbeck ins Bike-House verlegt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Michael Naumann fährt auf heiße Öfen ab, die er – wie ein Bildhauer eine Skulptur – selbst erschafft. Besonders Klassiker liegen dem Reeser am Herzen

Rees/Schermbeck..  Gut versteckt liegt seine Garage an der Empeler Straße, in der Michael Naumann bisher motorisierte Kunstwerke auf zwei Rädern schuf. Custombikes, handgefertigte Krafträder, baut der Reeser, auf diversen Weltmeisterschaften räumte er damit erste Plätze ab. Doch nicht auf das Fahren heißer Öfen fährt Michael Naumann ab, es ist das Werkeln an der Maschine, das den gelernten Werkzeugmacher heiß macht. So mag es erstaunen, dass der Reeser, der sich jetzt mit seiner Firma in Schermbeck niederließ, kein einziges Motorrad besitzt. Denn immer dann, wenn er ein neues Motorrad nach seinen Vorstellungen kreiert hat, fand es schon vor der Fertigstellung einen Käufer.

Michael Naumann hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist in der Szene ein gefragter Mann. Immer mehr Aufträge zwangen ihn dazu, die heimische Garage, immerhin 72 qm groß, aufzugeben und mit einem Kollegen in Schermbeck eine Immobilie anzumieten, die unter Bike-House Schermbeck firmiert. Hier kümmern sich Uwe Neuland um Verkauf und Service, Michael Naumann um Reparaturen, Um- und Neubau von Motorrädern, vorzugsweise um ältere Modelle, amerikanische Eisen ebenso wie hiesige Klassiker. Zudem ist das Bike-House gerade autorisierter Vertragshändler für Indian-Motorcycle geworden.

Am liebsten nimmt Michael Naumann alte Motorräder unter seine Fittiche. „Darauf fahr’ ich ab“, gibt er zu und stellt die Harley Davidson Baujahr 1942 vor. Nur Rahmen und Motor sind original, alles andere hat Michael Naumann selbst geschaffen. „Für mich muss das Bild stimmig sein.“ Wenn er neue Felgen formt, müssen auch Fußrasten und Griffe mit ihnen optisch korrespondieren.

Es reizt ihn auch, Technik zu verfremden, wie an einem Gerät, an dem nicht zu erkennen ist, dass sich die Gabel bewegen lässt. „Ich habe ein Luftfahrwerk eingebaut“, verrät der Fachmann.

Custombikes sind eher Ausstellungsstücke als Fahrzeuge, auch wenn sie TÜV-geprüft sind. So warten diverse Motorräder, mal komplett, mal in Einzellteile zerlegt, in der neuen Werkstatt und im Ausstellungsraum auf seine kreative Hand. Sie alle gehören Kunden, die dem Künstler freie Hand lassen. Einige ruhen, wie Skulpturen, versteckt unter Tüchern. Erst wenn sie formvollendet abgeholt werden, fährt der Besitzer auf ihnen ab. Oder vertraut sie Michael Naumann an, der mit ihnen auf Custombike-Ausstellungen punktet.