Isselburger zieht Rentier-Baby mit der Flasche auf

Tierpfleger Maik Elbers zieht Svenja mit der Flasche groß.
Tierpfleger Maik Elbers zieht Svenja mit der Flasche groß.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Weil es kurz nach der Geburt von seiner Mutter verstoßen wurde, wird ein Rentierkitz im Biotopwildpark Anholter Schweiz nun von Hand aufgezogen.

Vehlingen.. In den frühen Morgenstunden des 3. Mai ist noch nicht abzusehen, welche Dramatik sich in den nächsten Stunden ereignen wird. Die Sonne lugt gerade im Biotopwildpark Anholter Schweiz hervor, als eines der Rentierkühe ein Junges zur Welt bringt. „Das sah alles ganz gut aus, das Neugeborene ist auch von der Mutter trocken geleckt worden“, erinnert sich Wildtierpfleger Maik Elbers an den Sonntagmorgen.

Doch der schöne Schein trügt. Am frühen Nachmittag läuft das gerade geborene Rentier nicht mehr hinter seiner Mutter her. Die Mitarbeiter des Biotopwildparks sind alarmiert. Stammgäste unter den Besuchern werden gebeten, zu beobachten, ob das Jungtier trinkt. Doch die Mutter lässt das noch klitzekleine Rentierkitz nicht an ihren Euter. Am Nachmittag spitzt sich die Lage im Rentiergehege zu. Das Neugeborene wird schwächer und schwächer, teilweise kann es sich nicht mehr auf den Beinen halten.

Die hinzugezogene Tierärztin spricht das aus, was zu diesem Zeitpunkt alle wissen. Wenn nicht etwas geschieht, wird das Rentierkitz den nächsten Tag nicht überstehen. Eine Entscheidung muss her. Maik Elbers nimmt sich dem verstoßenen Rentier an und zieht es mit der Flasche groß.

Ziegenmilch aus Amerika

Der Einsatz hat sich gelohnt. Jetzt, fast vier Wochen später, ist Svenja, so haben die Kinder von Maik Elbers den Hausgast getauft, putzmunter. Das Rentier fühlt sich sichtlich wohl und ist zutraulich, neugierig und putzig. Svenja hat alle Qualitäten, um zum Star der Anholter Schweiz aufzusteigen. Denn wenn Elbers mit ihr durch den Park spaziert, drehen sich die Besucher nach dem vorwitzigen Naseweis um. Svenja ist zudem anhänglich und hört, wenn man sie ruft. Ihre große Liebe gehört im Moment Schnürsenkeln, auf denen sie rumkaut, wenn der Besucher nicht aufpasst und seinen Schuh wegzieht. „Svenja wird immer so zutraulich bleiben“, weiß Elbers, der aber auch klar macht, dass die Aufzucht von Hand nur deshalb geht, weil es ein Weibchen ist. Denn im Vorjahr hatte der Tierpfleger auch schon mal einen Rehbock mit der Flasche aufgezogen, doch das Tier wurde, als es geschlechtsreif wurde, aggressiv und griff auch Personen an.

Natur Diese Gefahr besteht bei Svenja nicht. Allerdings wird sie irgendwann zu ihrer Herde zurückkehren. „Die Mutter wird sie aber nicht wiedererkennen“, berichtet Elbers, der sich in den vergangenen Wochen einer echten Mammutaufgabe gestellt hat. Denn das junge Rentier muss alle zwei Stunden gefüttert werden – auch nachts. Dann wird eine spezielles, getrocknetes Ziegenmilchpulver aus Amerika mit Wasser angerührt. In knapp drei Minuten nuckelt Svenja ihre Portion aus der Flasche. Dass Maik Elbers den hungrigen Hausgast mal vergisst, kann nicht passieren, dafür sorgt Svenja schon selbst. „Die kommt nachts auch zu mir ans Bett, wenn sie hungrig ist, und stupst mich wach“, so der Wildtierpfleger der Anholter Schweiz.