Irre, diese „Verrückten“!

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Emmerich..  Eine „verrückte“ Geschichte erlebten die Zuschauer am Abend vor Altweiber im Stadttheater. Sie passte so recht zu den närrischen Tagen. Wie beim Karneval stellt sich die Frage, was noch normal und was mitunter verrückt ist. So spielten auch die Personen des Stückes in ihren Rollen Menschen, die nach der Meinung ihrer Mitmenschen das normale Maß überschritten hatten.

Dazu kommt noch die Tatsache, dass die beiden Autoren des Stückes, Carl Laufs und Wilhelm Jakoby, bei der Uraufführung ihrer „Pension Schöller“ Mitglieder des Mainzer Carneval-Vereins waren. Das Rheinische Landestheater Neuss gab sich alle Mühe, die Posse in drei Akten publikumswirksam in Szene zu setzen. Die zahlreichen Zuschauer honorierten dies mit freundlichem Schlussapplaus.

Lauter Exzentriker

Mittelpunkt der Handlung ist Philipp Klapproth (Andreas Spaniol), ein wohlhabender Rentner, der auf seinem Landgut nur wenig Abwechslung hat. Vor seinen Stammtischbrüdern will er mit einer ganz besonderen Geschichte brillieren. Da kommt ihm die Geldnot seines Neffen Alfred (Michael Großschädl) gerade recht. Dieser erhält von seinem Onkel den Auftrag, ihn in eine Irrenanstalt einzuschleusen. Eine Idee, die seinen Stammtischbrüdern sicher imponieren würde.

Der Auftrag wird zur Zufriedenheit Philipps ausgeführt – aber es wird keine Irrenanstalt gefunden, sondern eine Pension mit Menschen, die alle sehr exzentrisch sind. Klapproth amüsiert sich prächtig und kehrt zufrieden auf sein Landgut zurück.

Gute Leistungen

Doch dann geschehen Dinge, die nicht vorauszusehen waren. Alle „Verrückten“ kommen in sein Gut – die Adresse war ihnen bekannt – und das große Chaos beginnt. Wie kann er die „Verrückten“ wieder loswerden? Er sperrt sie ein, sieht aber zum Schluss ein: „Ihr habt mich in eine Familienpension geführt und ich Schafskopf habe mich düpieren lassen!“

Andreas Spaniol als Philipp Klapproth verstand es, in allen Situationen seine Rolle überzeugend zu spielen.

Aber auch die so genannten „Verrückten“ agierten sehr glaubhaft. Etwas übertrieben erschien Oberstleutnant außer Dienst von Mühlen (Johann Schiefer) mit seiner militärisch akzentuierten Stimme. Der Löwenjäger Fritz Bernhardi (Georg Strohbach) wurde überfallartig von der Schriftstellerin Josefine Zillertal (Linda Riebau) in Beschlag genommen: „Ich fühle mich geistig so angeregt, dass ich mir einige Kapitel von der Seele schreiben muss!“ Eugen (Pablo Guaneme Pinilla) hat ein Problem: „Sie müssen nämlich wissen, der schreckliche Buchstabe ,N’ macht mir immer Schwierigkeiten.“ Er kann leider kein ‘L’ aussprechen.

So ließen sich auch von anderen Personen dieses Lustspiels noch verrückte Einzelheiten berichten. Der Regisseur des Stückes Sahar Amini formuliert es so: „Was als ‚normal’ oder ‚unnormal’ gilt, liegt immer im Auge des Betrachters!“ Wie wahr.