In Emmerich entsteht ein Lebensraum

Klaus Markgraf-Maue (Teamleiter Flüsse des Nabu) erklärt die Pläne an der Emmericher Ward.  Hinter ihm links oben ist die Emmericher Ward zu sehen.
Klaus Markgraf-Maue (Teamleiter Flüsse des Nabu) erklärt die Pläne an der Emmericher Ward. Hinter ihm links oben ist die Emmericher Ward zu sehen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Planfeststellungsbescheid für das Life-Projekt Fluss- und Auenoptimierung Emmericher Ward liegt vor. Vorbereitungen starten jetzt. Baubeginn im Juni.

Emmerich..  Es war kein Karnevalsscherz, der die Nabu Naturschutzstation Niederrhein in Kranenburg wenige Tage vor Karneval erreichte. Seit dem 6. Februar liegt dort der Planfeststellungsbescheid der Bezirksregierung Düsseldorf für das Life Projekt Fluss- und Auenoptimierung Emmericher Ward vor. Damit kann nach langen Monaten der Vorbereitung durch die Nabu- Naturschutzstation Niederrhein die Realisierung des Projektes be-ginnen.

Auf Kampfmittel achten

Vergangenen Donnerstag haben die ersten Mulch- und Rodungsarbeiten begonnen. Bei den Rodungsarbeiten wird man verstärkt auf ehemalige Kampfmittel achten -- hier war auch die Einflugschneise für alliierte Flugzeuge. Die größeren Bauarbeiten beginnen erst nach Ende der Brutsaison im Juni, da dieses Gebiet eine Vogelschutzzone ist.

Ziel dieses von der Europäischen Union geförderten Projektes ist es, wie berichtet, Fluss und Aue durch die Anlage einer ganzjährig durchströmten Nebenstromrinne des Rheins miteinander zu verknüpfen. Dabei können für den Fluss typische Lebensräume entstehen, die vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten eine neue Heimat bieten.

Außerdem sieht der Plan vor, bestehende Gehölze zu Auenwäldern zu verbinden. Eine solche Maßnahme wurde erforderlich, weil durch den Ausbau des Rheins zur Wasserstraße viele natürliche Lebensräume verloren gingen. Viele Pflanzen- und Tierarten verschwanden. Das soll sich wieder ändern.

Zwei Kilometer lange Rinne

Was ist hier im Einzelnen vorgesehen? Im jetzigen Naturschutzgebiet Emmericher Ward, das unmittelbar neben der Ziegelei Muhr beginnt, werden folgende Arbeiten durchgeführt: Beginnend mit dem ehemaligen Baggersee der NKSB (Niederrheinische Kies- und Sand Baggerei) entsteht parallel zum Rhein eine zwei Kilometer lange Nebenstromrinne. Dabei müssen mehrere Buhnen unterbrochen werden und die vorhandene Flutrinne zwischen den Buhnen vertieft werden.

So entsteht bei Hochwasser eine große Seenlandschaft und fängt dadurch viel Wasser auf. Bestehendes Gehölz und Neuanpflanzungen sorgen für die Entstehung eines Auenwaldes.

Langfristiges Projekt

Klaus Markgraf- Maue, Teamleiter Flüsse des Naturschutzbundes, informiert über die Bedeutung des Projektes für die hiesige Artenvielfalt. Er bedauere, dass es am Niederrhein fast keinen Auenwald gebe: „Dieser Wald ist einer der artenreichsten Gebiete, die wir haben. Er muss regelmäßig überflutet werden und daher wäre die Anlage eines solchen Waldes in diesem Naturschutzgebiet sehr vorteilhaft – allerdings braucht ein solcher Wald viele Jahre bis zu einer vollen Funktionsfähigkeit!“

2012 gab die EU grünes Licht für das Life-Projekt. Partner, Förderer und Unterstützer sind das NRW-Ministerium für Klimaschutz und Umwelt, das NRW-Ministerium für Landwirtschaft, die Kurt Lange Stiftung, HI-TU und die Kiesbaggerei Holemanns Niederrhein. Der Baubeginn ist im Juni. Das Projekt soll bis 2017 abgeschlossen sein.

Für die Finanzierung stehen drei Millionen Euro bereit, von denen NRW 49 Prozent und die EU 50 Prozent stemmen.