Immer der Muschel nach

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Emmerich..  1500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Emmerich und Santiago de Compostela, dem Zentrum der Jakobusverehrung im Norden Spaniens. Das ersehnte Ziel aller Pilger, die sich, aus welchen Motiven auch immer, auf den weiten, oft beschwerlichen Weg machen. Die kleine Etappe von Elten nach Emmerich ist Teil des Jakobus-Wegenetzes und folgt alten Pfaden, die schon die Hanse-Kaufleute nutzten. Auch fromme Pilger nahmen diese relativ sicheren Straßen, um die Reliquien im Stift Hochelten und in St. Martini am Rhein zu verehren.

Dieses rund zehn Kilometer lange Teilstück bietet Natur pur ist und Bestandteil des bei den Niederländern beliebten Pieterpades. Die Etappe beginnt an der Jakobusstele auf dem Eltenberg. Mit dabei: zwei erfahrene Pilger: Dr. Hans Jürgen Arens (72) und Dorothea Theinert (73). Sie tauschen eifrig Erfahrungen aus und geben dem Anfänger Tipps für längere Pilgerreisen. Theinert: „In den Rucksack gehören mindestens drei paar Socken, ein Schlafsack, Vlieshandtücher, eine warme Jacke und ein längerer Pullover, ein paar Sandalen zum Wechseln, eine Wasserflasche und ein paar dünne Tops, die schnell trocknen. Das reicht. Man nimmt immer zu viel mit.“ Nicht vergessen sollte man eine Box mit Pflastern, Hustenmittel und Schmerztabletten. Hans Jürgen Arens schwört Stein und Bein auf Socken aus Doetinchem: „Davon bekommt man keine Blasen. Die pressen Geruch und Wasser raus.“ Arens hat zwei Stöcke dabei. Eine weise Entscheidung. Der Weg den 82 Meter hohen Berg hinab ist glitschig. Müll am Wegesrand trübt ein wenig den Sinn. Ansonsten: „Wie in Tirol“, scherzt Arens. Unten am Wildweg angekommen, zeigt der gelbe Pfeil unter der Jakobsmuschel, wo’s weitergeht: B 8! Die ist gar nicht so langweilig. Eindruck: Die Autos fahren verdammt schnell. Blüht da schon der Weißdorn?

„Heute hat nichts weh getan!“

Vom Campingplatz grüßen Satellitenschüsseln. Der Dienstweg an der Brücke zur trüb-braunen Wild ist gesperrt: „Nur für Befugte von Straßen.NRW.“ Die Pfosten am Wegesrand markieren die Entfernungen. Den alten Grenzübergang hinter sich lassend, biegt der Pilgerweg links in den Abergsweg ab. Weiter geht’s frohen Schrittes durch Borghees und über die Eltener Straße Richtung Emmerich, wo der kleine Pilgerweg, der als Einstieg für größere Herausforderungen geeignet ist, nach anderthalb Stunden an der Jakobusstele im Rheinpark endet. „Heute spüre ich gar nichts, mir hat nichts weh getan. Ich könnte noch mal hin und zurück“, sagt Theinert.

Wer nach einem lohnenden Zwischenstopp in Emmerich dann noch weiter über Kleve und Kalkar in Richtung Kevelaer und Köln marschieren will, der muss über die Rheinbrücke. Wenn diese nicht gerade einmal wieder wegen Unwetters gesperrt ist. Hoffentlich heißt der Orkan nicht „Jakob“.