„Ich kümmer mich drum“

Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ

Rees..  Wilfried Schmickler ist be-kannt für seine klare und bisweilen deftige Art, Themen anzusprechen, sie bei den Wurzeln zu packen und so die Schwächen und Absurditäten der Gesellschaft und der Politik aufzuzeigen. Wortgewaltig und mitunter wortakrobatisch. Jetzt war er mit seinem Programm „Ich weiß es doch auch nicht“ zu Gast im Reeser Bürgerhaus.

Vor prall gefüllten Zuschauerrän-gen begann er sein Programm gleich mit einem Thema, dem man sich in dieser Zeit in der Kabarett-Szene nicht entziehen kann: Religion! Schmickler stellte gleich zu Beginn klar, dass er für eine „religiöse Ausgeglichenheit“ sorgen wolle, damit die „Religionspolizei keinen Grund bekomme, den Saal zu räumen und die ,Weltpresse zu informieren’“. Und so geht’s mit recht harmlosen Papst- und Islamspitzen rein ins Programm. Schnell wird klar, so ganz einfach wird es nicht. Es gehört schon Übung dazu, die schnellen Abfolgen und Salven der Satire zu verfolgen. Und immer, wenn man denkt, jetzt holt er Luft, dreht er den Schalter um, setzt noch einen drauf, in atemloser Geschwindigkeit. Doch man weiß, was er meint, wenn er über die „entsetzliche Plärre“ deutscher Bands im Radio redet und dabei einen kurzen Seitenhieb auf Putin und die russische Band „Pussy Riot“ einschiebt.

Von Russland geht es rüber zum großen Bruder Amerika, zu Guantanamo und zu den Geheimdiensten – zum Abhörskandal, der für so manch einen schon wieder in Vergessenheit geraten scheint und der bei all der Dramatik auch ein wenig absurd erscheint.

Vielleicht ebenso wie die Finanzkrise und die Rettung Griechenlands. Wilfried Schmickler erinnert an den Sudokuspielenden Minister Wolfgang Schäuble, dessen Bild durch die Medien geisterte und leitet damit seine erste musikalische Zwi-scheneinlage ein, die versucht, Mut zu machen: „Ich kümmer mich drum.“

Viele Themen sind alt, sie geistern schon lange in den Medien und Köpfen der Menschen herum. Teils erlangen sie gerade wieder Aktualität, teils drohen sie, bei all der Überflutung der Ereignisse, banalisiert und vergessen zu werden. Doch Schmickler bemüht sich um Aktualität. Die sogenannte Islamisierung des Abendlandes ist zentral. Es geht um Waffenlieferungen in den Irak und um die Konflikte, die diese Entscheidung mit sich bringt.