"Ich habe gerne gearbeitet"
20.06.2007 | 08:49 Uhr 2007-06-20T08:49:08+0200MEDIZIN. Dr. Marie-Cäcilia Kutsch-Moser eröffnete vor knapp 30 Jahren ihre augenärztliche Praxis. Die Nachfolge ist gesichert.
REES. Als Dr. Marie-Cäcilia Kutsch-Moser am 9. Januar 1978 ihre augenärztliche Praxis eröffnete, war Rees eine medizinische Diaspora. In der Rheinstadt praktizierten lediglich zwei Hausärzte, Dr. Paul Lamers und Dr. Henner Schlaghecken. Fachärzte gab es nur im Hospital. So war die Bevölkerung hellauf begeistert, als sich die Augenärztin in der Kapitelstraße niederließ. Und ist um so trauriger, dass die Medizinerin in dieser Woche ihre Tätigkeit aufgibt.
Besonders bei den Landwirten war Marie-Cäcilia Kutsch-Moser keine Unbekannte, denn die Tochter des Tierarztes Dr. Josef Kutsch aus Groin begleitete schon als kleines Mädchen ihren Vater auf Hausbesuchen. Gerne hätte sie die Großtierpraxis ihres Vaters übernommen, doch der befand: "Das ist kein Beruf für eine Frau." Also studierte die Groinerin Humanmedizin. Als sie während ihrer Medizinassi-stentenzeit in Bonn unter Prof. Dr. Michael Dardenne arbeitete, fiel die Entscheidung für die Fachrichtung Ophthalmologie.
Prof. Dardenne war seinerzeit der erste Operateur, der den Grauen Star mit einer neuen Operationstechnik entfernte. Und die lernte auch die junge Assistenzärztin. Doch mit dem Entschluss, sich in Rees niederzulassen, musste sich Kutsch-Moser von der OP-Tätigkeit verabschieden. Das war auch gut so, denn vom ersten Tag an war der Ansturm in der Praxis riesengroß und für ihre beiden Kinder, die heute Apotheker sind, sollte schließlich auch noch Zeit bleiben.
Viele schöne Erinnerungen verbindet die Augenärztin mit ihrer Berufszeit. "Ein treuer Patient schenkt mir jedes Jahr zum Geburtstag eine rosa Rose - seit fast 30 Jahren." Mit selbstgebrauten Schnäpsen, Obst aus dem Garten, Blumen und viel Schokolade wurde sie von dankbaren Patienten regelmäßig verwöhnt.
"Gleich im ersten Jahr wurde ich, als ich gerade im Abendkleid das Haus verlassen wollte, ins Krankenhaus gerufen. Der Patient hatte einen Glaukomanfall. Wäre ich nicht gekommen, hätte er sein Augenlicht verloren." Solche Einsätze haben geprägt.
Viele traurige Diagnosen begleiten das Leben eines Augenarztes. "Ich habe mich immer bemüht, den Patienten darauf vorzubereiten, dass man auch ein gutes Leben führen kann, wenn man schlecht sehen kann. Das ist bei jungen Menschen besonders schwer." Schwer ist es auch, Patienten zu überzeugen, dass sie nicht mehr Autofahren dürfen.
Die Augenheilkunde hat sich in den vergangenen 30 Jahren sehr verändert. Besonders freut sich die Ärztin, dass Eltern heute eher bereit sind, die Vorsorgeuntersuchungen für die Kinder wahrzunehmen. "Denn immer noch bleiben viele Augenerkrankungen unerkannt."
Ihre größte Sorge war es, auf Grund der Knappheit an Augenärzten eine Nachfolge für Rees zu finden. Als sich bei ihr Dr. Marc Lückefahr mit der Frage einer Übernahme meldete, war sie von dem Mediziner sofort angetan. "Ich habe gerne gearbeitet und hätte auch weiter praktiziert, aber diese Chance, für meine Patienten und meine Mitarbeiterinnen, musste ich einfach wahrnehmen." Früher hat die Reeserin mit dem Gedanken gespielt, in Afrika zu leben und ihre Schwester im Kloster zu unterstützen. "Heute bin ich hier so verwurzelt, dass ich Rees nicht mehr verlassen möchte." (ha) NACHFOLGERDr. Marc Lückefahr, derzeit Oberarzt in der Augenklinik Duisburg-Fahrn, wird die Praxis im Juli übernehmen. Er ist 35 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Brünen.
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