Heute werden die Weichen für die Betuwe gestellt

Noch steht man vor geschlossenen Schranken. Kann man hier bald als Pkw-Fahrer gar nicht mehr durch.
Noch steht man vor geschlossenen Schranken. Kann man hier bald als Pkw-Fahrer gar nicht mehr durch.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Geschäftsleute in Millingen befürchten deutliche Einbußen, sollte die Pkw-Unterführung nicht Realität werden. Heute fällt der Rat der Stadt Rees eine wichtige Entscheidung.

Millingen..  In diesen Tagen ist es nicht leicht, Ortsvorsteher von Millingen zu sein. Bei Günter Boland liefen in den vergangenen Tagen die Drähte heiß. „Auch am Sonntag gab es keine Ruhe“, sagt Boland. Natürlich ging es um das Thema Betuwe, die beiden Pkw-Unterführungen für Millingen und Empel, die es nun möglicherweise nicht geben wird. „Wir haben damit unser erstes Ziel für unseren Ortsteil nicht erreicht“, stellt Boland enttäuscht fest. „Sollte sich aber noch irgendeine Möglichkeit auftun, die Pkw-Unterführung doch noch zu realisieren, werden wir weiterkämpfen“, kündigt er an.

Keine Mausloch-Variante

Dennoch sieht er die Einwendungen der 1330 Millingener nicht als völlig gescheitert an. „Der Widerstand in Millingen, unsere Gespräche mit den Bundestagsabgeordneten Pofalla und Dr. Hendricks, die Übergabe der Unterschriften in Berlin und vieles mehr haben dazu beigtragen, dass die Mausloch-Variante nun doch nicht realisiert wird“, sieht er zumindest einen Teilerfolg.

Zu wenig! Dieser Meinung sind die Geschäftsleute von Millingen unisono. Sie halten eine Pkw-Unterführung in der Ortsmitte für unabdingbar. „Bekommen wir die Pkw-Unterführung nicht, werden wir die Kunden, die im West-Teil wohnen, verlieren“, ist Melanie Kroes, Inhaberin des Edeka-Marktes, sicher. Schon jetzt habe sie Einbußen durch die langen Schließzeiten hinzunehmen, klagt sie. „Ob mich die fehlende Pkw-Unterführung existenziell bedroht, weiß ich nicht, aber deutliche Einbußen wird es geben“, blickt sie in die Zukunft. Dabei denkt die Geschäftsfrau auch an ihre 20 Mitarbeiter. „Denen gegenüber habe ich doch eine Verantwortung“, sagt sie. Bäckermeister Christoph Tenbült, auch er beschäftigt rund 20 Angestellte, hat sich bewusst in den Vergangenheit breiter aufgestellt und Filialen in anderen Ortsteilen aufgebaut. „Existenzbedrohend ist die Abbindung des Pkw-Verkehrs in der Ortsmitte für unseren Betrieb daher wohl nicht“, sagt er. Aber für sein Hauptgeschäft an der Hauptstraße erwartet er „gravierende Einschnitte“. „Es geht nicht ohne Pkw-Unterführung“, so seine klare Botschaft. „Weil sonst ein langsames Sterben der Geschäfte eingeleitet wird“, ist Klaus Stark überzeugt. Er sieht ohne Pkw-Durchfahrt keine Zukunft für den Blumenladen seiner Frau und auch einige andere Geschäfte, zumal er ein ähnliches Ladensterben an anderer Stelle direkt mitbekommen hat. Als Stark noch seine Gärtnerei betrieb, hat er seinen Hauptabnehmer im Sauerland verloren – u.a. weil der Pkw-Verkehr an einem Bahnüberweg abgebunden wurde. „Ging während der Bauphase der Umsatz um 50 Prozent zurück, lag nach Schließung des Überwegs der Rückgang bei 70 Prozent.“