Helfer einer Drogenbande muss lange in Haft

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Emmerich/Kleve..  Weil er den Machenschaften einer niederländischen Drogenbande zu einem legalen Mäntelchen verhalf, wurde ein 61-jähriger Emmericher zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die zweite Strafkammer des Landgerichts Kleve unter dem Vorsitz von Gerhard van Gemmeren sah es als erwiesen an, dass der dreifache Familienvater Männern aus dem niederländischen Drogenmilieu zu Räumlichkeiten verhalf, in denen sie ungehindert eine Cannabis-Plantage hochziehen konnten. Als technisch „hoch professionell“ stuften die Kriminalbeamten die Anlage in einem abgetrennten Bereich einer großen Lagerhalle in Klein-Netterden ein, die der Angeklagte den Männern untervermietet hatte. Doch was die Männer dort hinter der von ihm noch eigens für sie hochgezogenen Wand in der Halle trieben, davon wollte der Emmericher Bauunternehmer und Chemikant nichts gewusst haben. Bis zum Schluss beteuerte der hoch verschuldete 61-Jährige seine Unschuld. Vergebens.

Tipp vom Ex-Drogenbandenmitglied

Für den Richter sprachen zu viele „Zufälle“ in der Beweisaufnahme des Prozesses eindeutig dafür, dass der Emmericher Helfer einer Drogenbande aus den Niederlanden ist, gegen die schon teilweise erfolgreich ermittelt wurde. 32 Verdächtige werden in diesem Zusammenhang genannt, für insgesamt zehn Hanfplantagen sollen sie verantwortlich gewesen sein. So wurden in der vom Angeklagten gemieteten Halle in Emmerich entsprechende DNA-Spuren gefunden. Ebenso in einer Halle in Didam, die – welch’ Zufall – ebenfalls von dem Emmericher angemietet worden war. „Sie haben mehr als den Garten gefegt. Sie haben die Mietverträge gemacht und selber einen wirtschaftlichen Gewinn erzielt“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Zwar in einer untergeordneten Rolle, aber mit enormer „krimineller Energie“.

Aus diesem Grund verurteilte die Kammer den Angeklagten auch zu einer hohen Haftstrafe. Denn er hätte es besser wissen können. In den Niederlanden, wie nun herauskam, wurde der Angeklagte bereits zu einer Freiheitsstrafe wegen des selben Tatvorwurfs – nämlich das Handeln mit Betäubungsmitteln – verurteilt. Ein Umstand, den seine Familie, die gestern auch vor Gerichts aussagte, erst kürzlich aus der Zeitung erfahren musste.

Aufgeflogen war die Cannabis-Plantage (Marktwert: 420 000 Euro), weil ein damals Unbekannter der Emmericher Polizei einen Hinweis auf die Plantage gegeben hatte. Wie sich nun herausstellte, war dieser ein ehemaliges Drogenbanden-Mitglied, das sich mit den anderen Männern zerstritten hatte.