Haffenerinnen retteten einen griechischen Straßenhund

Margret Derksen und Maunela Hiller sind dreifache Hundebesitzer. Einer der Hunde lebte auf der Straße.
Margret Derksen und Maunela Hiller sind dreifache Hundebesitzer. Einer der Hunde lebte auf der Straße.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Margret Derksen und Manuela Hiller sind jetzt dreifache Hundebesitzerinnen. Die Haffenerinnen besitzen zwei Setter und eine griechische Bracke, die gerettet haben.

Haffen..  Hella mag den Nieselregen nicht. Sie hebt die linke Vorderpfote wie angewidert hoch, um sie nicht alle Viere im nassen Gras absetzen zu müssen. „Tja“, sagt Manuela Hiller, „sie hätte besser aufs Nummernschild achten sollen, als sie in Griechenland zu uns ins Auto stieg.“ Bis auf das oft nasskalte Wetter am Niederrhein ist „Hella aus Hellas“, wie Manuela Hiller den ehemaligen Straßenhund schmunzelnd bezeichnet, mit ihrem neuen Zuhause an der Hanenkroitstraße in Haffen hochzufrieden.

„Weggelaufen ist sie jedenfalls noch nicht“, sagt Margret Derksen, die Hellas Ausbüxen aus einer Tierhilfe-Station in Griechenland noch gut in Erinnerung ist. Dorthin hatten die zwei Frauen die Hündin nach deren Auffinden zunächst gebracht. Die beiden Haffenerinnen können sich ein Leben ohne Hund gar nicht mehr vorstellen, inzwischen haben sie sogar drei an der Zahl. „Was so gar nicht geplant war“, gibt Margret Derksen zu.

Doch der Reihe nach: Als die Frauen ihr Domizil an der Hanenkroitstraße beziehen, steht für sie fest: Sie wollen einen Hund halten. Und für Margret Derksen ist klar, es soll ein Setter werden: „Mit so einem Hund bin ich aufgewachsen.“ Allerdings lebt die erste Hundedame im Hause Derksen/Hiller nur 14 Tage. Sie wird noch als Welpe angefahren und verendet.

Vermittlung in gute Hände

Ihr folgt 1995 Shannon, wieder eine Setterdame. „Die Tiere sind friedlich, kinderlieb, wissen, glaube ich, gar nicht, wie knurren und beißen geht“, zählt sie die für sie wichtigen Vorteile auf. Shannen wird achtfache Mutter. Hiller und Derksens Haushalt steht mit einem Mal Kopf. „Es fehlte an Zeit, am Ende hat alles geklappt, selbst die Vermittlung in gute Hände“, freut Margret Derksen.

Ein Welpe bleibt: Aira. „Wir sind berufstätig, ein Hund ist ein Rudeltier, das Gesellschaft braucht“, begründet Manuela Hiller das „Ja“ zum zweiten Hund. Als Shannon im April 2007 stirbt, folgt ihr Tochter Aira nur ein halbes Jahr später. „Wohl aus Trauer“, so Derksen.

Nun kommt Kayleigh ins Haus, mit sieben Jahren inzwischen die Seniorchefin. „Und die coolste Socke von ganz Haffen“, sagt Derksen in Anspielung auf Kayleighs Eigenart, wenn man sie ruft, erst recht Gas zu geben, um sich vor dem Parieren noch schnell ein Brötchen oder ein Stück Schokolade beim Nachbarn stibitzen zu können. Gottlob haben die Nachbarn Humor und Hundeverstand.

Als Kayleighs Gefährtin Farah vor zwei Jahren stirbt, zeigt die Hündin Anzeichen einer Depression. Die Haffenerinnen beschließen, ein zweites Tier anzuschaffen. Fast sind sie schon wieder von ihrem Vorhaben abgekommen, da werden sie Anfang 2014 von einer Züchterin aus dem Hessischen angerufen, die gerade ein Wurf unterzubringen versucht. Nach kurzer Bedenkzeit kommt ein „Ja“ aus Haffen. Die Frauen kündigen ihren Besuch bei der Züchterin nach ihrem Griechenland-Urlaub an.

Doch die beiden sollen schneller zum Hund Nummer Zwei kommen. Als sie auf dem Weg zur Ferienwohnung in Patras eine letzte Rast einlegen, um sich im Supermarkt mit Lebensmitteln einzudecken, werden sie auf ein Rudel Straßenhunde aufmerksam. Alle sind wohlgenährt, offenbar von Touristen gefüttert. Nur Hella, wie sie später heißen wird, nicht. Sie hat Zecken, ein stumpfes Fell, ist unterernährt. „Sie wird in Kürze verhungern“, sagt Margret Derksen laut.

Worauf Maunela Hiller noch mal das Auto verlässt, Hundefutter kauft und es verteilt. Hella will als einzige nicht fressen. „Obwohl ich ihr versucht habe, die Brocken ins Maul zu schieben“, erzählt Manuela Hiller. Die beiden beschließen, die Hundedame mitzunehmen. Behalten wollen sie sie nicht. Daher bringen sie Hella zur Tierhilfe, übernehmen aber die Kosten für den Tierarzt, Chippen und Futter.

Doch Hella büxt aus, wird später wieder eingefangen. Von da an darf Hella die beiden Haffenerinnen häufiger in deren Ferienhaus mit großem umzäumten Garten besuchen. Was auch Kayleigh freut. Und so kommt es, dass schließlich zwei Frauen und zwei Hunde nach Deutschland zurückreisen.

„Wir haben ein bisschen geschwitzt, weil wir nur einen Hund für die Fähre angemeldet hatten“, erzählt Margret Derksen. Doch weder dort, noch in den Hotels gibt es Probleme. Auch nicht, als der dritte Hund, Setterwelpe Shane, auf dem Rückweg „zusteigt“.

„Ein bisschen verrückt ist das schon“, gibt Manuela Hiller ihre dreifache Hundeliebe zu. Und turbulent. „Aber, da müssen wir jetzt durch“, sagt sie.

Übrigens:

Bei Hündin Hella handelt es sich vermutlich um eine Griechische Bracke, auch Hellinikos Ichnilatis genannt. Die Rasse, die selbst in Griechenland nicht häufig anzutreffen ist, wurde 1959 offiziell anerkannt.


Diese Hunderasse zeichnet sich durch ein gutes Sozialverhalten und einen ausgeprägten Jagdtrieb aus. Ebenso robust wie sein Charakter ist der Hellinikos Ichnilatis bei der Arbeit: Er findet sich in unebenen und felsigen Gelände zurecht und leistet daher gute Dienste als Gebrauchshund in griechischen Bergen.