Haffener Polizist rettete vier Emmericher vor dem Feuertod

Hatte einen schweren Nachtdienst: der Haffener Polizeibeamte Rolf Schudlich.
Hatte einen schweren Nachtdienst: der Haffener Polizeibeamte Rolf Schudlich.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nur dem beherzten Einsatz des Haffener Polizeibeamten Rolf Schudlich war es zu verdanken, dass es beim Hausdachbrand in Emmerich keine Todesopfer gab.

Emmerich/Haffen.. Rolf Schudlich hat gut geschlafen nach seinem 19-Stunden-Dienst. Das Adrenalin in den Blutbahnen hat sich wieder aufs Normalmaß reduziert. Eigentlich selbstverständlich für den Polizeibeamten. Der gebürtige Essener mit Wohnsitz in Haffen versteht sich als Profi. Dessen Berufung es ist, Menschen in Not zu helfen.

Am Mittwochmorgen gegen 4 Uhr jedoch war jene Not sehr viel größer als der erste Notruf vermuten ließ. Aus einem Hausdachwanderer, der laut erster Leitstellenmeldung vermeintlich zu springen drohte, wurde ein ausgewachsener Brand – an deren Ende Rolf Schudlich durch beherzte Entscheidungen vier Bewohner an der van-Gülpen-Straße vor dem drohenden Feuertod rettete.

"Wir durften keine Sekunde verlieren"

Es war dem Erfahrungsschatz des 56-Jährigen zu verdanken, dass Emmerich bei der Brandstiftung keine Todesopfer zu beklagen hatte. „Zuerst haben wir nur Qualm aus dem Hausdach aufsteigen sehen, dann plötzlich entzündete sich der Schwelbrand zur großen Flamme“, schildert Schudlich, der gemeinsam mit Kollege Holger Möller im Streifenwagen zur Stelle war, die ersten Minuten.

„Wir durften keine Sekunde verlieren, das war sofort klar. Ich bin rein, das Treppenhaus war bereits verqualmt. Aber nicht so stark, dass ich kriechen musste“, so Schudlich. Fünf Hausbewohner hatte seine Leitstelle gemeldet. Alles war ruhig, alle schliefen offenbar. Weil sich bei Dachbrand das Feuer von oben nach unten ausbreitet, lief Schudlich erst so weit hoch, wie es ging. Bis ganz oben kam er nicht mehr. Die Treppe war bereits schwarz verkohlt. „Im Dachgeschoss, wo der Brandstifter gewohnt hat, wäre nichts mehr zu machen gewesen.“

Anwohner flüchteten vor Feuer

In der Etage darunter öffnete der Polizist die Wohnung in Schimanski-Manier: mit vollem Körpereinsatz. Hieß konkret: die Tür eintreten. „Ich habe Schuhgröße 46, das ist natürlich ein kleiner Vorteil.“

Für einen 80-jährigen schwerhörigen Rentner war’s die Rettung. „Der guckte mich natürlich wie ein Auto benommen an. Da musste ich schon laute Anweisungen geben, zumal es über uns plötzlich knallte. Dreißig Sekunden später wäre für ihn vermutlich alles aus gewesen“, schildert Schudlich das Drama.

Noch zwei weitere Haustüren wurden von ihm beherzt aus den Angeln gedrückt. Weitere vier Bewohner flüchteten vor Qualm, Flammen und herabstürzenden Häuserteilen ins Freie. „Alle haben die Anweisungen unverzüglich befolgt. Es ging in diesen Minuten nur ums nackte Überleben. Da werden Bargeld oder Papiere wirklich relativ. Und auch als Helfer weiß man in der Regel einzuschätzen: Bis hierhin und nicht weiter!“

Schudlich gibt aber auch unumwunden zu, dass an diesem Morgen das Glück auf Seiten der Retter stand. Ehefrau Anke, die amtierende Schützenkönigin in Haffen, war stolz auf ihren Mann: „Es zieht sich durch sein Leben, dass er das Ideal des Schutzmannes gewählt hat.“

Der selber auch manchmal Fortune braucht. Der Weg nach Hause führte am Mittwoch über das Willibrord-Spital: Leichte Rauchgasvergiftung! „Erst steht man so unter Adrenalin, dass man nichts merkt. An der frischen Luft dann pumpt’s in der Birne. Und als ich auch noch zu schwitzen anfing, haben mich die Kollegen ins Krankenhaus geschickt“, schildert Schudlich seine Symptome. Nach wenigen Stunden ging es dann aber doch heim nach Haffen.

Zwölf Jahre bei der Bundeswehr

Dort ist übrigens als kleine Anerkennung für die große Tat noch keine Kiste Bier der Geretteten eingetroffen. „Muss auch nicht sein“, winkt Schudlich ab, „der Steuerzahler hat doch einen Anspruch darauf, dass er mal gerettet wird.“

Eiserne Nerven und körperliche Herausforderungen hat sich Schudlich trainiert. Vor seinem Eintritt bei der Polizei 1989 war der Essener zwölf Jahre lang bei der Bundeswehr. Der ehemalige Fluss- und Pipeline-Pionier, der extreme Situationen gewohnt ist, schied als Oberfeldwebel aus.

Spannend geht für Rolf Schudlich das neue Jahr weiter. Heute ist er bei der Bombenentschärfung gegen 10 Uhr an der Weseler Straße in Emmerich wieder im Einsatz.