GEW und Gymnasium Emmerich im Gespräch

Wolfgang Urbach (stellvertretender Schulleiter), Walter Seefluth (GEW-Sprecher) und Inge McKay (Schulleiterin) im Gespräch.
Wolfgang Urbach (stellvertretender Schulleiter), Walter Seefluth (GEW-Sprecher) und Inge McKay (Schulleiterin) im Gespräch.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach medialen Streiterein trafen sich jetzt Walter Seefluth (GEW) und Inge McKay, Leiterin des Gymnasiums in Emmerich, zum Kaffee. Es war ein positives Gespräch.

Emmerich..  Der Duft der Friedenspfeife war im Büro von Inge McKay deutlich zu vernehmen. Die Schulleiterin hatte Walter Seefluth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Kleve auf eine Tasse Kaffee eingeladen, nachdem sich die beiden einen medialen Schlagabtausch bezüglich der Inklusion am Willibrord-Gymnasium in Emmerich geliefert hatten. Es fing schon versöhnlich an, weil Seefluth eine Spende für die Aktion „Fahrräder für Flüchtlingskinder“ mitbrachte, die McKay, wie in der NRZ berichtet, jüngst gestartet hatte.

Aber nicht nur deshalb verlief das Gespräch versöhnlich. Denn inhaltlich, so mussten die beiden und auch Wolfgang Urbach, stellvertretender Schulleiter, feststellen, sind sich die Pädagogen einig. Seefluth hatte medial moniert, dass es am Emmericher Gymnasium zu wenige Schüler im Gemeinsamen Lernen (GL; hier geht’s um Inklusion) gebe. Nämlich nur zwei. „Die Zahlen kommen vom Kreis Kleve“, erklärte Seefluth. Doch im aktuellen Schuljahr zählt das Gymnasium sechs GL-Schüler. Urbach entdeckte dann den Fehler nach Studium der Zahlen: „Das sind nur die Zahlen für die Klasse 5 bis 10.“ Man unterrichte aber auch Schüler mit Förderbedarf in der Oberstufe. Dass die Zahlen stimmen, ist für die Schule auch hinsichtlich der Stellenzuweisung ganz wichtig.

Seefluth ließ sich von McKay erklären, was das Gymnasium alles im Sinne der Inklusion macht. Und sie beteuerte: „Wir nehmen jedes Kind auf, das kommt.“ Dass sich nicht mehr anmelden würden, liege auch daran, dass Emmerich ein hervorragendes Förderzentrum habe. Und auch die anderen weiterführenden Schulen inkludieren.

Die Zahl sechs allein sage auch nicht viel aus. „Wir haben etliche ehemalige GL-Kinder in der Oberstufe“, so McKay. Denn die Schule verfolge die Maxime, die Schüler so schnell wie möglich wieder aus dem GL herauszuholen und „einzugliedern“. Das funktioniert oft.

Ein weiterer Kritikpunkt der GEW ist, das für Flüchtlingskinder als Seiteneinsteiger in den Regelschulen im Kreis zu wenig getan werde. Doch hier darf man das Emmericher Gymnasium mit der eigens für diese Kinder eingerichteten Klasse als vorbildlich sehen. 19 Kinder, die aus sehr unterschiedlichen Ecken der Welt kommen, werden unterrichtet. Bisher gebe es auf dem Papier dafür aber nur eine Lehrerstelle. Es sei ein riesiger Aufwand. Das Gymnasium brauche dringend mehr Stellen. „Da fühlen wir uns im Stich gelassen. Ich sehe, dass eigentlich belastbare Kollegen an ihre Erschöpfungsgrenzen stoßen“, sagt McKay. Seefluth stimmt zu und ergänzt: „Die Schulen brauchen auch dringend psychiatrische Betreuer.“ Denn gerade die Kinder aus Kriegsgebieten hätten traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.

GEW fordert weiterhin KIZ

Seefluth konnte auch einiges mit auf den Weg nehmen. Die Gymnasiallehrer kennen oft die verschiedenen Formen der Erkrankungen nicht, die bei Schülern mit Förderbedarf auftreten können. Dafür sind sie nicht ausgebildet. „Dazu würde ich mir mehr Fachausbildungen wünschen“, sagte McKay. Da sieht Seefluth kein Problem – GEW-Kollegin Anja Oster sei dafür ausgebildet. Das ließe sich einrichten.

Eben deshalb, um solche Lücken im System zu koordinieren, hat die GEW auch die Errichtung eines Kommunalen Integrationszentrums (KIZ) beantragt, wofür der Kreis 270 000 Euro an Fördermittel bekommen würde. „Der Landrat hat bis heute aber nicht geantwortet“, ärgert sich Seefluth.

Mit Interesse hat GEW-Mann Walter Seefluth vernommen, dass Willibrord-Gymnasium und Gesamtschule eine Kooperation der künftigen Oberstufen planen. Die Schulleiterinnen sehen die Chance, ein breiter gefächertes Angebot zu bieten. Es passe auch ins Bild, dass das Gymnasium den Ganztag einführe.

Der Kreis Kleve hänge in Sachen Berufsvorbereitung hinterher, kritisiert Seefluth zudem. Das Gymnasium Emmerich strebt allerdings das Gütesiegel Berufsvorbereitung an, was Seefluth erfreut.