Geheime Kommandosache: Amphibien

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Rees..  Es war eine geheime Kommandosache. So geheim, dass sogar der oberste „Befehlshaber“ von Rees, Bürgermeister Christoph Gerwers, zu keiner Zeit darüber informiert war, wann sich denn wer von welcher Seite dem rechtsrheinischen Ufer nähert.

Gestern hatte die niederländische Vereinigung „Keep them Rolling“, ein Verein von Liebhabern militärischer Fahrzeuge und Traditionen, zur Gedenkfeier an der Wardstraße zwischen Hof Messing und der Rheinbrücke geladen, um sich an die Rheinquerung der Alliierten vor 70 Jahren zu erinnern.

Bereits weit vor dem Eintreffen des Fahrzeugkonvois spielte die Band of Liberation & Pipes im Schutz der Rheinbrücke „Soldiers return“ und „National Emblem“, während immer mehr Besucher, trotz heftigen Regens und Windböen eintrafen, um sich das Militiärspektakel anzusehen. Auch die Royal Canadian Legion 05 bezog Stellung, packte die großen Flaggenstangen aus und wartete auf ihren Einsatz. Doch die große Frage des Tages wusste zu diesem Zeitpunkt niemand zu beantworten. Kommen die Amphibienfahrzeuge tatsächlich an dieser Stelle an Land, wie immer wieder gemunkelt wurde? Malte Heezen (9) war mit seinem Bruder und den Eltern extra nach Rees gefahren, um sich – mit einem Fernglas ausgerüstet – das Spektakel anzusehen. „Ich bin gespannt auf die Amphibien wie sie vom Wasser aus aufs Land fahren“.

Dann näherte sich der erste Konvoi historischer Militärfahrzeuge von Kalkar kommend. Mit Soldaten auf Krädern vorweg. Winkend und grüßend passierten die Fahrer, historisch gewandet, die Passanten auf der Brücke, um dann durch die Stadt zur Wardstraße zu fahren. Auf dem Hof Messing sollte auf dem Vorplatz eine kleine Militärparade stattfinden. Stattdessen war wetterbedingt die Scheune für die Freizeit-Soldaten ausgeräumt worden und 400 beim Reeser Metzger bestellte Erbsensuppen fanden reißenden Absatz.

Ursula Messing beobachtete das Geschehen von ihrer Küche aus. „Soviele Soldaten auf unserem Hof. Für einen kurzen Moment kamen mir die Tränen vor Rührung“, so die Bäuerin, die fünfjährig nur noch wage Erinnerungen an den erbitterten Kampf vor dem Hof hat.

Viele Eltern mit Kindern waren gekommen, um sich die außergewöhnlichen Fahrzeuge anzusehen oder mit dem einen oder anderen Fahrer zu sprechen. Als die Liberation Band, mit vielen Senioren im Spielmannszug, völlig durchgefroren in den Bus stieg, erspähte jemand die ersten Amphibienfahrzeuge am Ende der Reeser Promenade. Es war kurz vor 15 Uhr. Und noch einmal strömten die verbliebenen Zuschauer auf den Deich, um die schwimmenden Militärfahrzeuge zu grüßen. Eindringlich ertönte vom Rhein her das Spiel eines Dudelsacks, bevor der Gedenkkranz über Bord geworfen wurde. An Land gingen die Amphibienfahrzeuge hier nicht, sondern erst geben 16.15 Uhr im Emmericher Yachthafen. Malte war ganz schön enttäuscht. Doch ein Erlebnis war das Spektakel allemal.