Für Emmerichs Jesiden ist „der Krieg noch nicht vorbei“

Freut sich über den neu eingerichteten Komitee-Raum: Sprecherin Revse Akyel.
Freut sich über den neu eingerichteten Komitee-Raum: Sprecherin Revse Akyel.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schon 60 000 Euro spendeten Emmericher und Klever dem Jesidischen Kulturverein. Vierter Lkw soll in den Nord-Irak. Flughafen Weeze stellt Lagerhalle. Konzert steigt am 18. April in Bocholt.

Emmerich.. Noch sechs Tage, dann startet das neue Jahr. Genauer: am 15. April. „Wir sind spät dran“, gibt Revse Akyel zu. Und lächelt. Die Sprecherin des Jugendkomitees Emmerich im Jesidischen Kulturverein freut sich schon auf das Neujahrsfest. Das steigt stets am ersten Mittwoch im April. Wobei der jesidische Kalender dem christlichen 13 Tage hinterherläuft. Gedrehte und gesponnene Wunschbändchen, die am Handgelenk getragen werden, bis sie von selbst abfallen, werden dann verteilt. Und die Eier färben Jesiden rot. Gehört zur religiösen Tradition wie bei den Christen das Osterfest.

Es gibt keine „Party“

Eine „Party“ wird es, trotz Musik und Tanz, am 15. April ab 17 Uhr im Kevelaerer Bühnenhaus aber nicht geben. „Es sind immer noch jesidische Flüchtlinge im Gebirge unterwegs, viele Häuser in jesidischen Dörfern werden gesprengt oder verwüstet. Der Krieg ist noch nicht vorbei“, betont Akyel – mit bangem Blick auf das weiterhin fürchterliche Treiben der Terrormiliz Islamischer Staat im Nord-Irak und auch in Syrien. Akyels Wunschbändchen-Wunsch liegt auf der Hand.

Das zwölfköpfige Emmericher Jugendkomitee versucht weiterhin, dringend benötigte Hilfsgüter ins Krisengebiet zu schicken. Hygiene-Artikel wie Seife, Duschgel oder Zahnbürsten sind gefragt. Auch Kochutensilien, Babynahrung, warme Decken. Und, besonders wichtig: Medikamente. „Die Menschen in Emmerich und auch in Kleve haben sich als tolle Stütze erwiesen, um den Jesiden zu helfen“, betont Akyel. Seit vergangenen August hat das Jugendkomitee, so errechnete Buchhalter Vedat Erzi, stolze 60 000 Euro gesammelt.

Mittlerweile kommen die Hilfsangebote sogar aus München oder Berlin. Grenzenloses Internet macht’s möglich. Und auch ein gewisses Vertrauen in die emsige Emmericher Gruppe. Akyel: „Die Spender wissen, dass wir selber vor Ort aktiv sind, deshalb nichts vom Geld und anderen Dingen verloren geht.“

Spediteur Cengiz Erkis sorgt für den Transport, Behiya Erkis kümmert sich um die Pakete. Die gehen nun an eine Lagerhalle, die der Flughafen Weeze den Jesiden für zwei Monate zur Verfügung stellt – bis Ende Mai oder Anfang Juni der mittlerweile vierte Lastkraftwagen aus Emmerich mit den Spenden ins Krisengebiet aufbrechen wird.

Dank an den Flughafen

Bisher wurde alles im Vereinsheim am Ossenbruch gesammelt. Doch die Räume, eigentlich für Zusammenkünfte, Feierlichkeiten und Trauerfeiern gedacht, erwiesen sich als zu klein. „Wir können dem Flughafen nur dankbar für die Halle sein“, sagt Revse Akyel.

Weitere Aktionen für Hilfsbedürftige sind geplant. Am 18. April gibt es in der Aula des Bocholter Euregio-Gymnasiums ein Benefizkonzert. Organisiert von Emmericher, Weseler und Bocholter Jesiden. Mit Kendal Manis aus Paris, Carneva, dem Kalkarer Rojhat und auch Seyidxan treten bekannte kurdische Sänger auf. Dazu werden junge neue Talente am Mikrofon zu sehen und zu hören sein. „Wir hoffen auf 600 Zuschauer“, sagt Vedat Erzi. Zum Vergleich: beim Fußballturnier in die Hansehalle im vergangenen November waren 900 Besucher dabei.