Für Dorfladen Hüthum wäre viel Ehrenamt und Kapital nötig

Der Saal im Restaurant Waldschlösschen war gut besucht. Die CDU hatte eingeladen.
Der Saal im Restaurant Waldschlösschen war gut besucht. Die CDU hatte eingeladen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Auf Einladung der CDU schilderte Birgit Mosler von der Hochschule Rhein-Waal, was man bedenken muss, wenn man einen Dorfladen eröffnen möchte.

Hüthum..  Das Thema ist nicht neu. Dörfer haben es schwer. Nicht nur die jungen Leute zieht es in die Stadt, auch Familien und Ältere. Das Angebot an Geschäften und Dienstleistern ist dort größer, um-fassender. Das hat zur Folge, dass es auf dem Land oft schon an der Grundversorgung fehlt. Kein Arzt, keine Bank, kein Lebensmittelladen und selbst die örtliche Kneipe hat zu knapsen. Der CDU-Ortsverband Hüthum hatte nun zu einer ersten Informationsveranstaltung geladen und sich dabei prominente Unterstützung gesichert.

Die Hochschule Rhein-Waal beschäftigt sich in ihrem Projekt „Smart Villages“ mit diesem Thema. Sie versuchen, Lösungsstrategien aufzuzeigen, um das Landleben zukunftsfähig zu machen. Der CDU-Ortsverbandvorsitzende, Erik Arntzen, begrüßte Birgit Mosler, Projektkoordinatorin der Hochschule Rhein-Waal, an diesem Freitagsabend im Restaurant Am Waldschlösschen in Borghees. „Kirche, Kaufmann, Kneipe“, so Arntzen seien einmal das Zent-rum jedes Dorfes gewesen. In Hüthum sei dies Vergangenheit. „Die ortsnahe Versorgung ist nicht mehr gegeben.“

In der Chronik des Ortes könne man nachlesen, wie es einmal gewesen ist, welches Angebot es mal gegeben hat. „Es gab alles, was das Herz begehrt“, erklärte Hüthums CDU-Chef. Nun sei man an einem Punkt angekommen, an dem sich viele Fragen stellen, Fragen, ob und wie man etwas ändern kann. Wie man das Leben in Hüthum wieder lebenswert und sogar attraktiv machen kann. Birgit Mosler kennt diese Fragen.

Kaufverhalten ändern

Ein Dorfladen könnte ein Lösungsweg sein. Ein Dorfladen, der nicht nur die Nahversorgung garantieren würde, sondern auch ein Ort der Begegnung, der sozialen Kontakte und Informationsaus-tausch sein könnte. „Je nachdem, was man da noch dran koppeln möchte“, so Mosler.

Bevor man allerdings so ein aufwendiges Projekt tatsächlich angeht, müsse der Bedarf und die Unterstützung der Bevölkerung geklärt sein. Welche Erwartung knüpft man an diesen Ort. Es bringe nichts, warnt sie, sich Blindlinks mit Anfangseuphorie in das Projekt Dorfladen zu stürzen, wenn nicht zuvor grundsätzliche Dinge geklärt sind. Mit Umfragen und einem hohen Maß an ehrenamtlichem Engagement muss so ein Gebilde getragen werden. Zumal hohe Startkapitale von Nöten sind. Was wird gewünscht, was ist man bereit zu leisten. Das sind Kernpunkte. „Es nützt niemandem, wenn in einem möglichen Dorfladen nur das eingekauft wird, was man beim Wocheneinkauf vergessen hat“, betont Mosler. Daher müsse ein „Umdenken in den Köpfen“ vollzogen werden. Ein Dorfladen kann funktionieren, ist sich Mosler sicher, aber nur mit einem gut durchdachtem Konzept, das stetig kritisch hinterfragt werden muss und gegebenenfalls auch geändert oder angepasst werden muss. Die Nähe zur Bevölkerung, das Insiderwissen und die Frische der Produkte sind Trumpf. Ebenso wie das Personal, die Menschen vor Ort. „Bleiben sie kritisch“; lautet daher Moslers Credo.

Hüthum ist bei dieser Problematik kein Einzelfall. Wohl jedoch in seiner speziellen Lage. Es ist ein zweigeteilter Ort. Einen zentralen Punkt auszumachen ist schwierig. „Es gibt kein Erfolgsrezept“, warnt Mosler. Und doch ist der Prozess in Gang gesetzt, eine erste Liste für einen Arbeitskreis liegt aus.

Birgit Mosler wohnt in Grieth und hat dort das Projekt Dorfladen maßgeblich vorangetragen, geplant und organisiert. 40 000 Euro Startkapital sind gefordert. Eine Bürgergenossenschaft hat bisher 33 000 Euro gesammelt. Der Rest soll durch Sponsoren zusammen kommen. Eröffnung vielleicht im Sommer.